cash: Hermann Struchen, wie viele Generalversammlungen besuchen Sie im Jahr?

Hermann Struchen: Etwa 30. Wenn es geht, besuche ich die Generalversammlung aller Firmen, von denen ich Aktien besitze. So komme auch ich in der Schweiz herum: Genf, Lausanne, Basel, Zürich, Winterthur, Schaffhausen, Domat/Ems. Manchmal finden mehrere GV am gleichen Tag statt, dann muss ich mich leider für eine entscheiden.

Seit wann sind Sie an General­versammlungen dabei?

Schon seit 50 Jahren. Ich fing damals an mit Von Roll. Aber natürlich konnte ich früher nicht so häufig wie heute teilnehmen, da ich damals noch berufstätig war.

Wie haben sich die GV über die Zeit entwickelt?

Eigentlich gab es vom Ablauf her keine grossen Veränderungen. Auch Essen gab es schon immer – nur bei Novartis nicht. Und bei der ABB ist das Essen noch heute nicht gut. Dort gibts nur Kaffee mit Gipfeli, Blööterli-Wasser und vielleicht noch ein Schoggi-Stängeli. Damit hat sichs.

Werden mehr Geschenke an die Aktio­näre verteilt als früher?

Nein, ganz im Gegenteil. Früher, vor etwa 30 Jahren, waren Geschenke hoch im Kurs. Ich mag mich zum Beispiel noch erinnern, dass es bei der UBS, damals noch Schweizerische Bankgesellschaft, jedes Jahr tolle Geschenke gab: Taschenrechner mit Solarenergie oder Salz- und Pfeffermühlen. Heute bekommen Aktionäre vielerorts nur noch Knirpse, die kosten ja nicht viel.

Spielen «Bhaltis» bei Ihrer Aktienwahl eine Rolle?

Nein, das schon nicht. In erster Linie interessiert mich natürlich die Rendite der Aktien, der Rest ist zweitrangig. Trotzdem gibt es Titel, bei denen solche Extras bei der Kaufentscheidung eine Rolle spielten. Nehmen wir das erwähnte Beispiel Von Roll: Vor 50 Jahren war es die einzige Firma, die an der Generalversammlung Spargeln servierte. Damals eine Rarität! Und da ich Spargeln liebe, ging ich jährlich immer mit Freude an die GV.

Welchen Tipp geben Sie Anlegern mit auf den Weg?

Gerade im aktuellen Tiefzinsumfeld bringen eigentlich nur noch Aktien und Immobilien eine akzeptable Rendite. Ich würde aber nur maximal die Hälfte der verfügbaren Mittel in Aktien anlegen, ansonsten wäre mir das Risiko zu hoch.

Dieser Beitrag ist Teil des am 3. Februar 2016 publizierten cash-Anlegermagazins «VALUE». Dort erfahren Sie auch viel Wissenswertes über Aktien: lohnende Langfristanlagen, sechs Anlagestrategien, Tipps zu ETF.

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