"Falls Trump tatsächlich eins zu eins das wahr macht, was er jetzt unter dem Slogan ’Make America great again’ ankündigt, würde der amerikanische Handel mit vielen Ländern leiden, nicht nur mit Deutschland", sagte Reinhold Festge, Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), im Interview mit Bloomberg.

Trumps wirtschaftspolitische Vorstellungen hätten "protektionistische Züge", sagte Festge. "Und mehr Protektionismus in Amerika ist das letzte, was die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen brauchen." Dies würde auch den USA selbst schaden. "Deshalb bin ich optimistisch, dass es nicht so weit kommt", sagte der VDMA-Chef.

Angesichts der jüngsten Siegesserie von Trump bei den Vorwahlen der US-Republikaner wächst insbesondere bei der deutschen Wirtschaft die Sorge vor einer Präsidentschaft des Immobilienmoguls. Mittlerweile gibt es in der republikanischen Partei Bestrebungen, eine Kandidatur Trumps wegen dessen zum Teil rassistischer und sexistischer Äußerungen in letzter Minute zu verhindern.

Freihandelsabkommen in Gefahr

Als Folge von Trumps kontroversen Wahlkampfauftritten fürchtet die Wirtschaft auch negative Folgen für die laufenden Verhandlungen über das geplante Freihandelsabkommen TTIP. Die Debatte in Deutschland sei zum Teil "von einem latent vorhandenen Antiamerikanismus getragen", sagte Festge. Zu befürchten sei, dass Trump diesen mit seinen Auftritten noch weiter schüre. "Leider trägt Trump mit seinen verbalen Entgleisungen im Wahlkampf nicht zur Entspannung der Lage bei", so der VDMA-Chef. Die Erfahrung zeige aber, "dass nicht alles, was im Wahlkampf gesagt wird, auch reale Politik wird".

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet bei den TTIP-Verhandlungen nach eigenem Bekunden noch mit einer Grundsatzeinigung innerhalb der Amtszeit von Barack Obama. Sie werde sich dafür einsetzen, dass man in diesem Zeitraum noch die "wesentlichen Grundzüge" hinbekomme, sagte Merkel vergangene Woche in Berlin bei der Jahrestagung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). "Was man hat, hat man."

Obama wird Ende April gemeinsam mit Merkel die Hannover-Messe eröffnen. Zwar könnten die beiden Regierungschefs die Verhandlungen nicht ersetzen, sagte Festge. "Sie sollen aber Vorbehalte abbauen und motivieren, damit TTIP gelingt."

(Bloomberg)