Für kleinere Hedgefonds und Startups war Europa 2015 wirklich nicht der beste Ort. Steigende Kosten und fallende Gebühren sorgten dafür, dass die Branche in der Region erstmals seit mindestens 15 Jahren geschrumpft ist.

Während Gelder in Multimilliarden-Firmen wie Lansdowne Partners UK und Marshall Wace flossen, gehörten Gesellschaften wie Armajaro Asset Management, geführt von Oliver Denny, und Lucidus Capital Partners zu jenen, die Fonds auf Eis legten. Etwa 75 Prozent der 294 europäischen Fonds, die 2015 den Betrieb einstellten, verwalteten nach Angaben des Marktbeobachters Eurekahedge ein Anlagevermögen von 150 Mio. Dollar oder weniger.

Die Geldmanager litten unter den zunehmenden Kosten, um Vorschriften wie die EU-Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds (Alternative Investment Fund Managers Directive) einzuhalten. Einige, die über die Gründung einer neuen Firma nachdachten, überdachten ihre Pläne deswegen noch einmal. Insgesamt 259 Fonds öffneten vergangenes Jahr in Europa erstmals ihre Türen, was Daten von Eurekahedge zufolge die geringste Anzahl seit 2002 war. Zum Vergleich: sowohl in Nordamerika als auch in Asien wurden im Jahresverlauf mehr Hedgefonds aufgelegt als geschlossen.

Grosse Akteure profitieren

"In dem herausfordernden Umfeld, in dem wir uns befinden, kommt eine Botschaft laut und klar an: das zusätzliche Kapital fliesst - wenn überhaupt - zu den grossen Akteuren", sagt Okan Pekin, weltweiter Leiter für Investorendienste bei Citigroup. "Für Startups wird es schwieriger und Banken konzentrieren ihre begrenzten Finanzressourcen auf die grossen Akteure."

Die Anzahl der Hedgefonds in Europa ist von dem Allzeithoch bei 4023 Fonds Ende 2014 nun auf weniger als 4000 gefallen - obgleich das verwaltete Vermögen Ende November ein Rekordvolumen von 528 Mrd. Dollar erreichte und Investoren in den elf Monaten netto 33 Mrd. Dollar in Fonds anlegten. Im Gesamtjahr 2014 waren es unter dem Strich 19,3 Mrd. Dollar gewesen.

Nach Aussage von Peter Astleford, Partner bei der Kanzlei Dechert, waren die behördlichen Zulassungen zur Gründung neuer Investmentgesellschaften bei der Finanzmarktaufsicht Financial Conduct Authority im vergangenen Jahr relativ gering. Bereits existierenden Manager in Europa müssen derweil mit neuen Regulierungsauflagen zurechtkommen, so dass viele ihre Expansionspläne und neue Produktentwicklungen auf Eis legen, bis sie mit den neuen Vorschriften vertraut sind. 

SNB mitschuldig an den Verlusten

Das Jahr 2015 fing für viele Vermögensverwalter nicht gut an, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Januar ihren Euro-Mindestkurs für den Franken aufgab. Der Einbruch an den Rohstoffmärkten und ein Ausverkauf bei chinesischen Aktien im weiteren Jahresverlauf verstärkten die Verluste selbst bei den grössten Geldverwaltern.

Comac Capital, eine von Colm O’Shea geführte Hedgefondsfirma, verlor aufgrund von Währungsturbulenzen acht Prozent und gab den Kunden daraufhin ihr Geld zurück. Martin Currie Investment Management aus Edinburgh schloss einen seit 15 Jahren laufenden Hedgefonds, der auf japanische Aktien setzte.

Gebühren unter Druck

Hedgefonds verlangen normalerweise eine Managementgebühr in Höhe von zwei Prozent des verwalteten Kapitals und erhalten zudem 20 Prozent der erzielten Renditen. Dieses Gebührenniveau fiel in Europa auf 1,2 Prozent beziehungsweise 13,9 Prozent, zeigen Daten von Eurekahedge. 

Für Finanzmanager mit einem verwalteten Vermögen von weniger als 350 Mio. Dollar stiegen die Compliance-Kosten 2014 um 31 Prozent. Diese Vermögensverwalter dürften nicht mehr in der Lage sein, allein durch die Erhebung der üblichen Managementgebühr von zwei Prozent einen Gewinn zu generieren, hiess es in einem Bericht von Citigroup. Sieben von zehn Hedgefonds in Europa kümmern sich laut Eurekahedge um weniger als 200 Mio. Dollar. 

"Eine geringe Anlagekapitalbasis in Verbindung mit einer schleppenden Entwicklung für europäische Mandate 2014 und der eingetrübten Aussicht auf leistungsorientierte Gebühren hat eine beträchtliche Anzahl von Fondsmanagern dazu gezwungen, das Handtuch zu werfen", erklärt Mohammad Hassan, leitender Analyst von Eurekahedge.

(Bloomberg)