Im Jahr 2016 erwartet ILO, dass rund 2,3 Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren werden. 2017 könnten nochmals 1,1 Millionen Personen dazu kommen.

Zu dieser Einschätzung kommt die Organisation, da sich insbesondere die Konjunktur in Schwellenländern abgekühlt hat und die Rohstoffpreise stark gesunken sind, was die allgemeine Investitionstätigkeit schmälert. Marginalen Verbesserungen in Industriestaaten hätten deutliche Verschlechterungen in Schwellenländern gegenüber gestanden, erläuterte am Dienstag die ILO-Verantwortlichen die Entwicklungen vor Medienvertretern.

Besonders hart wirkten sich die Rezessionen in Brasilien und Russland aus. Auch in China seien die negativen Effekte bereits deutlich spürbar gewesen. Indien sei aufgrund seiner vergleichsweise geringen Abhängigkeit von Rohstoffpreisen weniger stark von einem dramatischen Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen gewesen.

DROHENDE SOZIALE UNRUHEN

Das geringe Wachstum in Schwellen- und Entwicklungsländern erhöht laut ILO das Risiko von sozialen Unruhen. Darüber hinaus hob die internationale Institution, die sich für Arbeitnehmerrechte einsetzt, einmal mehr die häufig prekären Arbeitsverhältnisse in der Welt hervor. Rund 1,5 Milliarden Menschen beziehungsweise mehr als 46% der aktiven Erwerbspersonen seien in einer Position der Schwäche, also meist ohne einen Arbeitsvertrag und ohne irgendeinen sozialen Schutz.

Die Zahl der Menschen, die 2015 mehr einen Arbeitsplatz gesucht haben, beziffert die ILO auf rund 26 Millionen. Auf mittlere Sicht wird bei dieser Kennzahl zwar ein Rückgang erwartet. Allerdings werde sich das steigende Angebot an Arbeitskräften in Schwellenländern fortsetzen und dort die Entwicklungen verschärfen.

Ausserdem dürfte die andauernde Flüchtlingskrise die Situation von Arbeitnehmern und Arbeitssuchenden in vielen Ländern verschlechtern, warnt die ILO.

Die ILO sieht als Mittel dagegen Massnahmen gegen die mangelnde wirtschaftliche Nachfrage, zur Stärkung der Arbeitsmärkte sowie der sozialen Sicherungssysteme und gegen eine Benachteiligung von Gruppen, wie Jugendliche, Langzeitarbeitslose oder Behinderte.

(AWP)