Das geht aus Daten von Bloomberg hervor. Der Verdacht, dass der Absturz eines russischen Urlauber-Airbus über der Halbinsel Sinai durch die Explosion eines eingeschmuggelten Sprengsatzes ausgelöst wurde, erweist sich als wesentlich folgenschwerer für die Tourismusindustrie des Landes als fünf Jahre politischer Unruhen in der Folge des so genannten "Arabischen Frühlings."

Derart schwach waren die Besucherzahlen in Ägypten nicht einmal in der Hochsaison 2013, als teils folgenschwere Konfrontationen zwischen islamistischen Demonstranten und den Sicherheitskräften mit Toten und Verletzten im November und Dezember nahezu an der Tagesordnung waren.

“Dies einen Einbruch zu nennen, wäre zu kurz gegriffen. Was hier passiert ist ein Kollaps", sagte Amani El-Torgoman aus dem Management der ägyptischen Tourismusvereinigung. Bei den Auswirkungen des Flugzeugabsturzes handele es sich "definitiv um eine Überreaktion" und die Folgen seien zerstörerisch für die Tourismusindustrie.

Fehlende Einnahmen aus Tourismus

Die wegbrechenden Einnahmen aus dem Tourismus seit dem Absturz am 31. Oktober erschweren die Ankurbelung der ägyptischen Wirtschaft. Der Mangel an Auslandsdevisen wird für die Kontraktion verantwortlichgemacht. Im Lande wird derzeit eine geldpolitische Reaktion diskutiert. Die gezielte Abwertung der Landeswährung würde aber das Risiko einer galoppierenden Inflation erhöhen.

Der Tourismus hat Ägypten im Haushaltsjahr bis zum 30 Juni 7,3 Mrd. Dollar eingebracht, was etwa zwölf Prozent der Warenimporte entsprach. Im Jahr 2010, ein Jahr bevor der damalige und langjährige Präsident Husni Mubarak entmachtet wurde, lag der Wert noch bei einem Rekord von 12,5 Mrd. Dollar. Etwa 15 Millionen Besucher kamen in diesem Jahr in das Land.

Ein leichter Erholungstrend wurde im Herbst durch den Absturz des russischen Airbus gestoppt. Das Flugzeug stürzte kurz nach dem Start vom Flughafen Sharm El-Sheikh am Roten Meer ab, und Flüge nach Ägypten wurden daraufhin von verschiedenen Ländern wie Russland und Großbritannien gestoppt. Schnell kam der Verdacht auf, dass an diesem Flughafen ein Sprengsatz der Terrorgruppe Islamischer Staat an Bord geschmuggelt wurde. Von diesem Schlag hat sich die ägyptische Tourismusindustrie bislang nicht erholt.

Sicherheitsbedenken

“Der Grund für den Einbruch in unserem Tourismussektor ist klar. Die wichtigsten Herkunftsländer unserer Touristen haben die Reisen nach Ägypten erschwert", sagte der Vizechef der ägyptischen Tourismusbehörde, Ahmed Hamdy. Derzeit würden neue Märkte erschlossen, darunter Bulgarien, die tschechische Republik und Polen, ebenso wie Länder in Lateinamerika sowie Indien und China. Auch der Tourismus aus arabischen Ländern sowie der Inlandstourismus würden nun vermehrt begünstigt.

Die neuen Sicherheitsbedenken, sagte El-Torgoman, beträfen auch solche Gegenden in Ägypten, die sich im Zuge des Arabischen Frühlings und der folgenden Unruhen als kaum betroffen und weiterhin gut von Touristen besucht erwiesen hätten.

“Nach 2011 blieben die Touristen weg aus Kairo, Luxor und Assuan, denn diese Städte wurden als unsicher eingeschätzt", sagte sie. Aber der reine Strandtourismus sei kaum gebremst gewesen. "Jetzt ist Sharm El-Sheikh zu einer Geisterstadt geworden. Es ist wirklich sehr traurig".

(Bloomberg)