Das war wahrlich kein Börsen-Auftakt nach Mass: Bereits am ersten Handelstag des Jahres rumpelte es gewaltig an den Aktienmärkten weltweit. Auslöser war China, wo ein Mix aus enttäuschenden Konjunkturdaten und neuen staatlichen Regulierungen Anleger gehörig verunsicherte und den CSI, der die Entwicklung der 300 grössten Aktienwerte der Börsen in Schanghai und Shenzen abbildet, um 7 absacken liess.

"Ein symptomatischer Jahresauftakt", sagt Martin Neff, Chefökonom der Raiffeisen Gruppe, im cash-Börsen-Talk. Es werde im laufe des Jahres immer wieder solche Ereignisse geben. Und bereits am heutigen Donnerstag - der Börsen-Talk wurde am Mittwoch aufgenommen - bestätigt sich diese Prognose ein erstes Mal: In Shanghai rauschte der Aktienmarkt erneut mehr als sieben Prozent in die Tiefe, so dass der Handel bereits nach einer halben Stunde automatisch abgebrochen wurde.

Wirklich beunruhigt ist Neff aber darüber, dass in China am Montag eigentlich "gar nicht viel passiert" sei. Ein enttäuschender Einkaufsmanagerindex, nicht einmal der wirklich relevante, hat bei den Anlegern bereits Konjunkturängste hervorgerufen und zu einem Ausverkauf an den Börsen geführt.

Schweizer Börse wird in diesem Jahr auf Stelle treten

Auch der Schweizer Leitindex SMI konnte sich der allgemeinen Abwärtsstimmung nicht entziehen und hat nun seit Jahresbeginn bereits 2,8 Prozent an Wert verloren. Die 9000er-Punkte-Marke rückt wieder weiter weg, aktuell kommt der SMI gerade mal auf aufgerundete 8600 Punkte. Von einer Rallye zu Jahresbeginn wagt inzwischen kaum jemand mehr zu träumen, obwohl der Januar eigentlich traditionell als Anlagemonat mit guten Gewinnen gilt.

Auch Neff gibt der Schweizer Börse nicht viel Kredit: "Unser Jahresanfangswert wird auch unser Jahresendwert sein", prognostiziert er. Trotzdem gebe es am Aktienmarkt Geld zu verdienen. Zum einen mit Dividenden. Zum anderen glaubt Neff, dass innerhalb des Jahres Börsenbewegungen möglich sind: "Ich rechne im Laufe des Jahres mit einer Aufwärtsbewegung, dafür braucht es zunächst jedoch eine Korrektur."

Von einem Einstieg bei Aktien rät der Chefökonom von Raiffeisen, der in der Vergangenheit immer wieder mit sehr guten Prognosen hervorstach, daher klar ab. Der Monat sei bereits jetzt mit einem Damoklesschwert versehen und die Börse könnte im Januar "noch mehr erleben".

Wenn Aktien, dann könnten am ehesten noch die defensiven Titel etwas den Abwärtstrend rausnehmen. Und bei einigen Zyklikern müsse man sich fragen, ob sie das Schlimmste des Wechselkurs-Dilemmas bereits hinter sich hätten, meint Neff. Aber generell sei der gesamte Markt relativ teuer und vor allem jetzt, wo die USA ihre Zinsen anhebt, komme die Bewertungsfrage wieder auf den Tisch.

Die Frankenstärke belastet weiterhin

Seitdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs zum Euro vor fast einem Jahr aufgegeben hat, ist dem Franken eine massive Aufwertung zum Euro widerfahren. Im Anschluss wurden diverse Franken-Euro-Kurse für Ende 2015 prophezeit, darunter Werte nahe an der Parität oder umgekehrt eine Abschwächung auf 1,15. Wirklich eingetroffen ist letzten Endes ziemlich genau ein Wert in der Mitte der beiden Extrempositionen: Der Kurs tänzelt seit mehreren Monaten in der Bandbreite 1,08 bis 1,09 herum. Der Franken ist aber damit immer noch massiv überbewertet, geht man von einem fairen Wert von um 1,30 aus.

"Die Frankenstärke frisst sich behäbig, aber doch allmählich spürbar in jede Verästelung der Schweizer Wirtschaft", zeigt sich Neff alles andere als erfreut über die gegenwärtige Situation. Besorgniserregend sei vor allem, dass bis jetzt einigermassen stabile Sektoren, die von ihrem hohen Auftragsbestand leben konnten, nun auch ins Strudeln kämen. Ein Beispiel hierfür sei der Maschinenbau.

Neff empfiehlt eine Hilfe durch den Staat, um einigen Schweizer Unternehmen, die "Unterstützung verdient hätten", unter die Arme zu greifen. Der Chefökonom gilt zwar nicht als Freund staatlicher Eingriffe, in diesem Fall sei dies jedoch gerechtfertigt, da alle anderen Länder ihre Währungen manipulieren würden oder in einer anderen Form intervenierten. "Nur wir sind brav, obwohl kein Grund dazu besteht."

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Martin Neff auch zur Euro-Franken-Kursprognose von 1,14 der Raiffeisen Gruppe für Ende 2016 und zu den in diesem Jahr anstehenden Schlüsselereignissen für die Finanzmärkte.