Zürich (awp) - Die Schweizer Versicherungsgesellschaften haben ihre Prämieneinnahmen im vergangenen Jahr leicht gesteigert. Dabei entwickelten sich allerdings die einzelnen Zweige der Assekuranz unterschiedlich. Die Branche bemängelt, dass zwischen Schweizer Gesellschaften und Versicherungen aus dem EU-Raum keine Chancengleichheit bestehe.

Die hiesigen Versicherer geben sich im Grossen und Ganzen zufrieden. "Das Geschäftsjahr 2015 verlief trotz schwieriger Rahmenbedingungen erfolgreich", sagte Urs Berger, Präsident des Schweizerischen Versicherungsverbands (SVV), am Mittwoch vor den Medien. Die Branche habe mit soliden Finanzergebnissen, leichtem Prämienwachstum und Fortschritten in der Kosteneffizienz einmal mehr bewiesen, dass sie solid und leistungsfähig sei.

MOTORFAHRZEUGE IM PLUS

Die beiden Hauptsegmente entwickelten sich allerdings unterschiedlich. So stieg das Prämienvolumen im Bereich der Schadenversicherung gemäss einer Hochrechnung des SVV um 0,5% auf 26,3 Mrd CHF. Im Vorjahr hatte es noch eine Nullrunde gegeben.

Dabei hätten nun vor allem die Segmente Motorfahrzeugversicherung (+1,2%) sowie das Geschäft der Feuer-, Elementar- und Sachschadenversicherung (+1,3%) zugelegt. Die übrigen Sachversicherungen, etwa die Haftpflicht- und Transportversicherungen, waren laut SVV-Präsident Berger hingegen einem starken Wettbewerbsdruck ausgesetzt.

Die Zahlungen für Schäden hätten zudem 2015 leicht unter dem Mehrjahresvergleich gelegen, so Berger weiter. Die teuren Unwetter im Mai und Juni seien die grössten Elementarereignisse geblieben. "Der Herbst hat uns hingegen ziemlich verschont."

STAGNATION IM LEBENBEREICH

Im Bereich der Lebensversicherungen war die Entwicklung weniger gut. Es zeichne sich nach dem leichten Rückgang im Vorjahr eine Stagnation des Prämienvolumens bei 32,6 Mrd CHF ab, so Berger.

In der beruflichen Vorsorge sei zwar das Vollversicherungsmodell nach wie vor gefragt, und die Prämieneinnahmen im Kollektivleben seien entsprechend um 0,7% gestiegen. Im Einzellebengeschäft deute sich hingegen ein Prämienrückgang von 2,2% an. "Die tiefen Zinsen machen verschiedene Produkte, insbesondere im Einzellebengeschäft mit Einmaleinlagen, für Kunden unattraktiv", so Berger.

HÖHERE KAPITALANFORDERUNGEN

Ein Dorn im Auge sind dem SVV im Bereich der Lebensversicherungen die Eigenkapitalanforderungen. Diese seien im Vergleich mit jenen in der EU deutlich höher. Obwohl die EU die Gleichwertigkeit der Schweizerischen Versicherungsaufsicht mit derjenigen in der EU anerkannt habe, könne daher nach wie vor nicht von einer Chancengleichheit gesprochen werden, sagte Antimo Perretta, SVV-Vizepräsident und CEO der Axa Winterthur. Wegen der unterschiedlichen Kapitalanforderungen sei es für eine Versicherungsgruppe zudem vorteilhafter, ihren Sitz in der EU zu haben als in der Schweiz.

Perretta fordert deshalb, die Kapitalanforderungen für Schweizer Versicherungen so rasch wie möglich an jene der EU-Konkurrenz anzupassen. Dies wäre seiner Meinung nach auch eine Voraussetzung für eine Marktöffnung. Denn bei so unterschiedlichen Anforderungen wären die Auswirkungen auf die Schweizer Versicherer ansonsten verheerend.

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(AWP)