Bern (awp/sda) - Trotz mangelndem Schnee rechnet Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid nicht mit einem massiven Geschäftsrückgang im Schweizer Wintertourismus über die wichtigen Festtage. "Insgesamt entsprach das Festtagsgeschäft wohl knapp dem Vorjahr", sagt Schmid.

Die Zweitwohnungen hätten eine stabilisierende Rolle gespielt, wie der Chef der Tourismus-Marketingorganisation gegenüber der "Sonntagszeitung" sagt: "Die Menschen feiern Weihnachten in den Bergen - unabhängig von der Wetterlage -, denn das Zusammensein steht im Vordergrund." Auch weil der Himmel in den Bergen oft blau statt grau war, habe es viele Menschen in die Höhe gezogen.

Allerdings gab es durchaus Verlierer: Die Bergbahnen hätten mehrheitlich stark gelitten, sagt Schmid. Einzelne hätten von Ertragseinbussen bis zu 50% berichtet. "Aber es gab auch Gewinner."

Zu diesen zählt Schmid die Gastwirte, die auf den Sonnenterrassen "nie gesehene" Umsätze gemacht hätten. Und auch der Detailhandel habe profitiert, weil die Gäste mehr im Dorf eingekauft hätten.

Schmid setzt nun bei der Osterkampagne auf verspäteten Schnee. Die Befürchtung, dass auch dann der Schnee ausbleibt, wischt Schmid beiseite. Ostern liege dieses Jahr früh und laut den Wetteraufzeichnungen seien die Chancen auf Schnee an frühen Ostern höher als an Weihnachten.

Jedoch ist für ihn klar, dass der Klimawandel den Wintertourismus verändern werde. Dieser Winter habe gezeigt, wie wichtig Kunstschnee sei. Die künstliche Beschneiung sei aber keine Lösung für alle: "Es muss Marktaustritte in tieferen Lagen geben."

AUSWIRKUNGEN DES TERRORISMUS

Allgemein spürt der Schweizer Tourismus zudem auch die Auswirkungen von geopolitischen Unsicherheiten und Terrorismus: Asiaten oder Amerikaner, die Rom und Paris besuchen wollten und noch kurz die Schweiz mitnähmen, verschöben ihre Reise vielleicht um ein Jahr, sagt Schmid. Diese Zurückhaltung sei deutlich spürbar.

Auf der anderen Seite spielen die gleichen Faktoren dem Tourismus bei den Inlandsgästen in die Hände, wie Schmid bestätigt. "Sie geben uns einerseits tatsächlich Aufwind. Ich spreche das mit Schmerzen aus, denn egal ob Krieg, Vertreibung oder Terroranschläge - wir werden Zeugen von tragischen Vorkommnissen."

Es gebe immer mehr Regionen, bei denen sich Schweizer die Reise zweimal überlegten, ob sie wirklich eine Reise wagten, erklärt Schmid. Auch Kongressveranstalter ziehen deshalb die Schweiz Ländern vor, die mit dem Terrorismus zu kämpfen haben. "Wir haben Anfragen von Firmenanlässen, die in Brüssel oder Paris hätten stattfinden sollen", sagt Schmid.

(AWP)