Wer kennt sie nicht, die hoffnungsvollen Wachstums-Aktien, die schnell nach oben klettern, nur um nach einer kurzzeitigen Euphoriephase wieder in ähnlichem Tempo zurückzufallen. Dann kosten diese Titel den Anleger - je nach Einstiegszeitpunkt - viel Geld.

Gerade den Aktionären des Finanzdienstleisters Leonteq dürfte dieses Kursbild nicht unbekannt sein. Innerhalb weniger Jahre verzehnfachte sich der Börsenwert des Anbieters von strukturierten Produkten. Seit August dieses Jahres ging knapp die Hälfte davon wieder verloren. Alleine seit Anfang Dezember errechnet sich ein Minus von 14 Prozent.

Mitgründer macht Kasse

Erstaunlich dabei ist, dass Leonteq diesen Monat mit der genossenschaftlich organisierten Berner Versicherungsgruppe Mobiliar und der malaysischen Maybank gleich zwei hochkarätige neue Partner an Bord holen konnte. Wer sich, wie bei früheren Gelegenheiten, dadurch ein Kursfeuerwerk erhofft hatte, wurde jedoch bitter enttäuscht.

Über die Hintergründe der jüngsten Formschwäche lässt sich nur spekulieren. Fakt ist: Seit der Platzierung der vom Mitgründer Michael Hartweg gehaltenen Beteiligung von Ende November ist bei der zuvor sehr beliebten Aktie der Wurm drin. Insgesamt fanden damals knapp 600'000 Titel zu einem Preis von je 150 Franken einen neuen Besitzer. Das entspricht knapp 3,8 Prozent der ausstehenden Aktien.

Dem Geschäftsmodell sind kaum Grenzen gesetzt

Jan Schoch und Lukas Ruflin, die beiden anderen Gründungsmitglieder, verpflichteten sich Ende November zu einer Verlängerung der Haltefrist - auf zwei Drittel ihrer zum Zeitpunkt des Börsengangs gehaltenen Aktienpakete - um fünf Jahre bis Oktober 2025.

Dieses Bekenntnis der beiden Mitgründer, welche gemeinsam mit Raiffeisen und anderen Aktionären eine  kontrollierende Gruppe mit 44,3 Prozent der Stimmen bilden, überrascht nicht. Schliesslich sind dem Geschäftsmodell von Leonteq kaum Grenzen gesetzt. Die Produktplattform des Anbieters strukturierter Produkte lässt sich beliebig und ohne grossen Aufwand auf neue Partner aus der Bank- und Versicherungsbranche kopieren.

Auch die tiefen Zinsen helfen dem Unternehmen, weil der Renditedruck institutioneller Grossinvestoren riesig ist. Da sich mit Anleihen kaum noch Geld verdienen lässt, müssen diese immer öfter auf strukturierte Produkte ausweichen.

Ein Bundesgerichtsurteil mit Folgen?

Auch die beiden hochkarätigen Neuzugänge bei den Partnerfirmen lassen längerfristig intakte Aussichten vermuten, zumal das Unternehmen eigenen Angaben zufolge mit weiteren Interessenten verhandelt. Punkten kann Leonteq auch bei den Analysten. Sowohl die MainFirst Bank als auch die Zürcher Kantonalbank und die Berenberg Bank empfehlen die Aktie allesamt zum Kauf, letztere sogar mit einem Kursziel von 247 Franken. Davon lässt sich ein Aufwärtspotenzial von nicht weniger als 75 Prozent ableiten.

Noch kaum ein Thema ist ein kürzlich gefälltes Bundesgerichtsurteil zur Rückforderung der Verrechnungssteuer auf Dividenden im Derivatgeschäft mit ausländischen Gegenparteien. Branchenkennern zufolge könnte auch Leonteq die negativen Folgen dieses Urteils zu spüren bekommen, dürfte dieses die zukünftige Geschäftsentwicklung doch bremsen. Bislang haben sich die Vertreter aus der Analystengemeinde diesem Thema jedoch nicht angenommen.

Wachstum kommt vor Dividende

Zumindest bei ausländischen Leerverkäufern hat man sich bereits eine Meinung gemacht. Statistiken des Dienstleistungsunternehmens Markit lassen die Vermutung zu, dass im Umfang von 7,5 Prozent der ausstehenden Aktien gegen Leonteq gewettet wird. Das ist so viel wie seit Mitte November, unmittelbar vor der Platzierung der von Michael Hartweg gehaltenen Beteiligung, nicht mehr.

Leerverkäufer müssten mehr als fünf durchschnittliche Tagesvolumen zusammenkaufen, um sämtliche Wetten zu schliessen. Tun sie dies, müsste der Kurs nach oben springen.

Die Leonteq-Aktie ist ein Wachstumswert. Das spiegelt sich auch in der Bewertung wider: Auf den nächstjährigen Gewinnschätzungen errechnet sich ein auf den ersten Blick hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 30. Schon im darauffolgenden Jahr sollte dieses in Erwartung eines steigenden Unternehmensgewinns dann aber auf 18 fallen. Und wer an einer hohen Dividendenrendite interessiert ist, liegt beim Anbieter von strukturierten Produkte falsch. Die Dividendenrendite liegt nämlich gerade mal bei 1 Prozent.

Nachdem der Börsenwert von Leonteq seit dem Rekordhoch vom August um gut 40 Prozent geschmolzen ist, bietet sich die einst sehr beliebte Aktie mutigen Anlegern allmählich an. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Börse jeweils in den letzten Wochen des Jahres gerne zu Übertreibungen neigt und mit dem Jahreswechsel die Karten neu gemischt werden.