WASHINGTON (awp international) - Die US-Notenbank Fed rückt in Sachen Zinsentscheidung die weltwirtschaftlichen Risiken stärker in den Fokus. Man wolle beobachten, wie sich die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Weltfinanzmärkte auf die amerikanische Wirtschaft auswirkten, hiess es in dem am Mittwoch veröffentlichten Kommentar zur jüngsten Entscheidung.

Die Erwartungen für eine Leitzinsanhebung auf der kommenden Sitzung am 16. März wurden so gedämpft, auch wenn sie weiterhin nicht als ausgeschlossen gilt. Vor allem die Schwäche Chinas, die Finanzmarktturbulenzen und die Probleme der amerikanischen Ölförderer hatten zuletzt die Wirtschaft belastet.

AUCH DOLLAR MACHT ZU SCHAFFEN

Man gehe weiter davon aus, dass die wirtschaftliche Entwicklung lediglich eine "graduelle" Erhöhung des Leitzinses benötige, so die Fed. So habe sich in den USA das Wirtschaftswachstum Ende 2015 trotz einer weiteren Verbesserung am Arbeitsmarkt abgeschwächt. Die Exportentwicklung sei schwach gewesen, schrieb die Fed. Zuletzt lastete neben der schwächeren Weltwirtschaft auch der starke Dollar auf den Exporten.

Die privaten Ausgaben und die Investitionen seien mit einem "moderaten" Tempo gewachsen, so die Notenbank weiter. Im Dezember hatte sie noch von einem "soliden" Tempo gesprochen. Die Inflationsrate habe auch wegen niedriger Energie und Importpreisen weiter unter dem langfristigen Fed-Ziel von zwei Prozent gelegen.

LEITZINS BLEIBT UNVERÄNDERT

Ihren Leitzins hatte die Fed wie von Volkswirten erwartet nicht verändert. Die Fed-Funds-Rate liegt weiter in einer Spanne zwischen 0,25 und 0,50 Prozent. Volkswirte und die Finanzmärkte hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Auf ihrer letzten Sitzung am 16. Dezember hatte die US-Notenbank erstmals seit der Finanzkrise den Leitzins angehoben. Der Leitzins hatte zuvor seit Ende 2008 - also kurz nachdem die weltweite Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte - in der Spanne zwischen 0,00 und 0,25 Prozent gelegen.

ZINSERHÖHUNG IM MÄRZ UNWAHRSCHEINLICH

An den Finanzmärkten wird die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinserhöhung im März mit lediglich 19 Prozent gesehen. Ökonomen schliessen diese aber nicht vollkommen aus. Die Fed habe zwar auf den wirtschaftlichen Gegenwind hingewiesen, sei aber nicht von ihrem recht positiven Ausblick abgewichen, kommentierte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner die Aussagen der Währungshüter. Voraussetzung für eine Leitzinsanhebung auf der nächsten Sitzung am März sei jedoch eine Stabilisierung der Finanzmärkte und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Daten.

Capital Economics hält vor allem eine Verbesserung der Wirtschaftsdaten in China für nötig. Diese könnten jedoch zu spät kommen, um eine Zinserhöhung im März zu rechtfertigen. In der zweiten Jahreshälfte sollte die US-Notenbank jedoch die Zinsen rascher anheben als von den Märkten erwartet, so das Analysehaus. Bis Ende 2016 sollte der Leitzins demnach bis auf 1,50 bis 1,75 Prozent steigen.

EURO LEGT ZU - AKTIEN UNTER DRUCK

Der Eurokurs legte nach der Entscheidung zunächst zu und stieg auf ein Tageshoch von 1,0913 Dollar. Zuletzt gab er einen Teil seine Gewinne ab und wurde mit 1,0901 Dollar gehandelt. Die US-Aktienmärkte gerieten deutlich unter Druck./jsl/das

(AWP)