Interne Befragungen bei VW hätten ergeben, dass nahezu alle mit Abgas-Problemen befassten Führungskräfte in der Motoren-Entwicklung eingeweiht oder sogar beteiligt gewesen seien, berichteten "Süddeutsche Zeitung" (Samstagausgabe), NDR und WDR unter Berufung auf eigene Recherchen. Die Entwickler hätten sich von der Konzernführung unter Druck gesetzt gefühlt, vor allem für den US-Markt eine schnelle und kostengünstige Lösung für einen sauberen Diesel-Motor vorzustellen. Dies sei nicht geschafft worden und man habe sich für den Betrug entschieden. Ein VW-Sprecher sagte, es handele sich um Spekulationen, zu denen sich das Unternehmen nicht äußere.

Ein Kronzeuge, gegen den die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ermittelt, hat dem Bericht zufolge erklärt, er selbst habe einen hochrangigen Manager außerhalb der Abteilung auf die Manipulationen aufmerksam gemacht. Dieser habe aber nicht reagiert. Dem Medienbericht zufolge herrschte bei dem Dax-Konzern ein "Schweigegelübde". Andere Firmenbereiche hätten bis auf Ausnahmen nichts von den Manipulationen wissen sollen.

Volkswagen hat zugegeben, Diesel-Emissionswerte millionenfach durch eine Software manipuliert zu haben. Der Fall war im September von den US-Umweltbehörden EPA und CARB öffentlich gemacht worden. In den USA droht Volkswagen deswegen eine milliardenschwere Strafe. Anwälte haben zudem Schadensersatzklagen eingereicht. Weltweit sind rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen, allein in Europa sind es 8,5 Millionen.

Seit dem Bekanntwerden des Skandals gibt es immer wieder Spekulationen, dass auch andere Autohersteller Abgaswerte manipuliert haben. So musste Renault Autos in die Werkstatt rufen, um die Motoren gemäß Emissionsvorschriften neu einzustellen. Laut der französischen Regierung war bei Renault aber keine manipulierte Software im Spiel.

Absatzzahlen sind "nicht alles"

Am Donnerstag will der Diesel-Ausschuss der französischen Regierung nach Renault auch Mercedes und Opel befragen. Der Stuttgarter Autobauer bezieht unter anderem Motoren von Renault. "Bei uns wird nicht betrogen, bei uns wurden keine Abgaswerte manipuliert", bekräftigte Daimler-Chef Dieter Zetsche in einem Interview der "Welt am Sonntag". Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hatte nach Bekanntwerden des VW-Skandals auch bei anderen Hersteller Abgaswerte nachgeprüft. "Die Vertreter des KBA waren zwei Tage bei uns, und es wurden Autos getestet. Dabei sind nach meiner Kenntnis keine auffälligen Abgaswerte gemessen worden", sagte Zetsche. "Es gibt als Folge von 'Dieselgate' keinen Absatzrückgang bei unseren Diesel-Fahrzeugen in den USA."

Anders als Daimler leidet Volkswagen auch im operativen Geschäft unter den Folgen des Skandals. Während die Pkw-Nachfrage in der EU im Dezember um fast 17 Prozent und damit so stark wie seit langem nicht mehr zulegte, wuchs der Absatz der Wolfsburger nur um rund fünf Prozent. In China - dem weltgrößten Automarkt vor den USA - musste VW im vergangenen Jahr die Position als Branchenprimus an General Motors abtreten. China-Chef Jochem Heizmann sagte am Rande einer Autokonferenz in Peking, Absatzzahlen seien "nicht alles". Ein Unternehmen müsse auch auf den Gewinn und die Geschäftsentwicklung schauen. Er sei optimistisch für das laufende Jahr, so Heizmann.

Angesichts des Gegenwindes nimmt VW neue Märkte ins Visier. Derzeit hätten Kenia, Äthiopien und Ecuador höchste Priorität, berichtete die "Automobilwoche". Kurz- bis mittelfristig gehe es darum, mindestens drei neue Märkte zu erschließen, sagte der Generalsekretär der Marke Volkswagen, Christian Eisenlohr, dem Wochenblatt. 

(Reuters)