WOLFSBURG (awp international) - Der Rückruf von rund 2,4 Millionen Diesel-Autos von Volkswagen nimmt Schritt für Schritt Fahrt auf. "Das nächste Modell wird der Passat sein, der im März zum Rückruf kommt", sagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) am Dienstag in Berlin. Der Chef der Konzern-Kernmarke VW , Herbert Diess, betonte: "Wir sind zuversichtlich, dass wir im Laufe dieses Jahres alle Fahrzeuge abarbeiten." Für Kunden dauere das Umrüsten weniger als eine Stunde. Für jeden Wagen sei es das Ziel, mit den technischen Lösungen keine Kompromisse einzugehen.

Konkret sollen erste Passat-Diesel ab der Kalenderwoche neun, die am Schalttag 29. Februar beginnt, in die Werkstätten. Das erfuhr die Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX aus dem VW-Autohandel. Der Konzern hatte schon mitgeteilt, dass er dafür Ende Februar bis Anfang März anpeile. Zur genauen Zahl der VW-Passat und ihren technischen Merkmalen war zunächst nichts bekannt.

Diess bekräftigte, dass die vom VW-Abgas-Skandal betroffenen Autofahrer nach der Umrüstung ihrer Wagen keinerlei Nachteile bei Verbrauch, Leistung oder Geräuschentwicklung fürchten müssten. Gemeinsam mit Dobrindt besuchte Diess die Umrüstung eines VW-Amarok bei einem VW-Händler in Berlin. Der Pick-up-Truck macht den Anfang bei dem Rückruf. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) habe für den Amarok bestätigt, dass keine Einbussen zu fürchten seien, teilte VW mit.

In den USA, wo der Abgas-Skandal im September 2015 aufgedeckt worden war, muss VW weiter schrumpfende Verkaufszahlen verkraften. Der Absatz der Pkw-Kernmarke VW sackte im Januar um 14,6 Prozent auf 20 079 Autos ab, wie das Unternehmen mitteilte. Es ist das dritte Minus in Folge. Nach Bekanntwerden von Manipulationen bei Stickoxidwerten war für VW-Dieselmodelle in den USA ein Verkaufsstopp verhängt worden. Abgesehen vom Stadtgeländewagen Tiguan verkauften sich alle wichtigen Modelle schlechter als ein Jahr zuvor. Allerdings hatte der Januar auch zwei Verkaufstage weniger als der Vergleichsmonat 2015.

Zum Rückruf in Deutschland sagte ein VW-Sprecher auf Anfrage, dass neben Verbrauch, Leistung, CO2-Ausstoss und Lärmpegel noch kein Versprechen zur Langlebigkeit betroffener Bauteile gemacht werden könne. Die Lebenserwartung von Komponenten könne das KBA mangels Langzeittests nicht beurteilen.

Der Sprecher betonte aber, dass es derzeit keine Anhaltspunkte gebe, wonach Teile wie etwa der Turbolader durch die softwaretechnischen Umrüstungen über Gebühr beansprucht werden könnten. Zudem habe der Konzern schon zugesagt, bis Ende 2017 bei betroffenen Wagen auf eine Garantie-Verjährung in Zusammenhang mit der Umrüstung zu verzichten. Dieses Versprechen soll mit VW-Rückendeckung auch der Handel geben.

Die manipulierte Software in den Wagen mit dem Dieselmotor EA189 in Abgasnorm Euro-5 ist rund zehn Jahre alt. Die Zeitspanne dazwischen umfasst beinahe zwei Modellgenerationen. Aktuelle Software ist daher viel weiter und kann mehr als die damalige. So ist es laienhaft zu erklären, dass für den Grossteil der 2,5 Millionen Rückrufwagen ein Software-Update ausreicht, um die illegale Funktion abzustellen und die Abgasnorm auch ohne betrügerische Software heute zu erfüllen.

Nur bei den mittelgrossen Maschinen mit 1,6 Litern Hubraum muss auch ein neues Bauteil her, da das Update alleine nicht reicht. Es handelt sich um einen "Strömungsgleichrichter im Ansaugtrakt". Die Wagen kommen daher auch erst im Herbst in die Werkstätten. Ihre Umrüstung soll 45 Minuten reine Arbeitszeit benötigen, während die blossen Updates der 2,0- und 1,2-Liter-Motoren nur knapp 30 Minuten dauern.

Insgesamt handelt es sich um den grösste Rückruf in der europäischen Autogeschichte. Konzernweit sind in Europa rund 8,5 Millionen Diesel betroffen. Die Nachbesserung soll das ganze Jahr 2016 andauern. Die Reihenfolge für die verschiedenen Modelle ist unklar. Das KBA hat in Deutschland die Hoheit über den Ablauf des Rückrufes./loh/fri/jha

(AWP)