PARIS/LONDON (awp international) - Die europäischen Börsen haben am Donnerstagvormittag nach den Kurseinbrüchen in China erneut stark nachgegeben. Der EuroStoxx-50-Index gab am Donnerstagvormittag um 3,22 Prozent auf 3038,39 Punkte nach und läuft damit Gefahr, unter die psychologische wichtige Marke von 3000 Punkten zu fallen.

Der Pariser CAC-40-Index verlor zuletzt 3,16 Prozent auf 4339,08 Punkte. In London büsste der rohstofflastige FTSE 100 um 2,78 Prozent auf 5904,45 Punkte ein.

Chinas Festland-Börsen brachen bereits zum zweiten Mal in dieser Woche so stark ein, dass der Handel beendet wurde. Hintergrund sind Sorgen um die Wirtschaft des Landes. "Die chinesische Regierung lässt den Yuan immer schneller abwerten und die Frage drängt sich auf, warum sie es damit so eilig hat", sagt Jochen Stanzl, Chefanalyst vom Devisenhändler CMC Markets.

Weil das Reich der Mitte einer der grössten Rohstoffverbraucher der Welt ist, sackten die Rohstoffpreise ebenfalls ab. Die Preise für Rohöl fielen auf den tiefsten Stand seit fast zwölf Jahren. Auch die Preise für Industriemetalle oder Agrarprodukte gerieten unter Druck.

Das Börsenbarometer der Rohstoffbranche gab um mehr als fünfeinhalb Prozent nach. Am "Footsie"-Ende lagen die Aktien des Bergbaukonzerns Anglo American mit einem Verlust von nahezu 10 Prozent. Die Papiere des Rohstoffhändlers Glencore und der Minenbetreiber Antofagasta und des BHP Billiton verbilligten sich zwischen 4 und 6 Prozent.

Die Ölindustrie schwächelte ebenfalls stark. Das Börsenbarometer für die Branche gab um nahezu 5 Prozent nach. Im Eurostoxx 50 büssten die Papiere der Ölkonzerne Total und Eni um rund 4 Prozent ein. Im schwachen Swiss-Market-Index (SMI) verloren die Aktien des Öldienstleisters Transocean fünfeinhalb Prozent.

Beste Branche waren die Versorger , deren Subindex im breit angelegten Stoxx 600 um mehr als zweieinhalb Prozent nachgab. Die Aktien des italienischen Stromversorgers Enel lagen mit einem Minus von anderthalb Prozent an der Spitze des EuroStoxx 50.

Gold, das als sicherer Hafen gilt, legte hingegen zu. Im "Footsie"-Index stiegen die Aktien des Goldminen-Betreibers Randgold um rund 2 Prozent und waren damit der Spitzenwert.

Auch die Aktien des Warenhaus-Betreibers Marks & Spencer konnten sich mit einem Plus von mehr als einem Prozent im britischen Leitindex gegen den schwachen Markt stemmen. Bei den Anlegern kam gut an, dass Unternehmenschef Marc Bolland seinen Rücktritt ankündigte. Bolland war es nicht gelungen, den Umsatzschwund bei Bekleidung zu stoppen./mzs/das

(AWP)