Als die Kautschuk-Preise auf ein Sechs-Jahres-Tief einbrachen, kündigten gleich 20 der 30 Arbeiter auf der Farm von Winai Chaikunanant in Thailand. Trotz Gewinnbeteiligung lagen ihre Einkommen unterhalb des Mindestlohns.

Winai selbst ergeht es nicht viel besser. Bei jedem Kilogramm, das der 70-Jährige produziert, verliert er Geld. Seit fünf Jahrzehnten betreibt er nun schon seine Farm. Doch zuletzt reichten selbst staatliche Zuschüsse nicht mehr aus, um die Einnahmeausfälle auszugleichen.

Mehr als die Hälfte der Bäume auf seiner Farm wurden in dieser Saison nicht angezapft. Jetzt will er einige fällen, um dann teilweise auf Ananas- oder Maniok-Anbau umzusteigen.

Die weltweite Nachfrage nach Naturkautschuk, der hauptsächlich für die Herstellung von Reifen verwendet wird, hatte zuletzt nachgelassen. Dahinter steht nicht zuletzt die Abkühlung der chinesischen Wirtschaft. In keinem anderen Land werden so viele Neuwagen gekauft wie in der Volksrepublik.

Eine Rally, die sich über ein Jahrzehnt hinzog und die Preise im Jahr 2011 auf einen Rekordwert schnellen ließ, hatte viele wichtige Anbauländer wie beispielsweise Thailand, Indonesien oder Vietnam dazu ermutigt, mehr Bäume zu pflanzen und so die Produktion auszuweiten.

Tiefster Preis seit sechs Jahren

Jetzt liegt das Angebot über der Nachfrage - und daran wird sich auch in den nächsten beiden Jahren nichts ändern, wie aus Schätzungen des Londoner Marktforschers The Rubber Economist hervorgeht.

Den Prognosen des Instituts zufolge wird das Überangebot 2016 bei 411.000 Tonnen und ein Jahr später sogar bei 430'000 Tonnen liegen, verglichen mit 98'000 Tonnen 2015. Der Marktforscher geht davon aus, dass die Produktion dieses Jahr um 3,8 Prozent auf 13 Mio. Tonnen anziehen sollte. Bis 2018 dürfte sich demnach die Ausweitung des Angebots fortsetzen.

"Wir sind Kautschuk gegenüber ziemlich negativ eingestellt", sagt Daryna Kovalska, Analystin bei Macquarie Group in London, gegenüber Bloomberg.

In Tokio gehandelter Kautschuk, eine weltweite Benchmark, ist seit dem Hoch aus dem Jahr 2011 um 70 Prozent eingebrochen. Am 6. November wurde bei 153 Yen je Kilogramm (etwa 1,16 Euro) der geringste Preis in sechs Jahren erreicht.

"Wir stehen vor so vielen Herausforderungen"

China, das zuletzt mehr als ein Drittel des weltweiten Angebots aufkaufte, rechnet selbst damit, dass die Importe des Landes von Naturkautschuk im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf damit 3,7 Mio. Tonnen gesunken sind. Das geht aus einer Studie der Association of Natural Rubber Producing Countries vom 7. Dezember hervor.

Das Überangebot könnte die Preise ein ganzes Jahrzehnt lang drücken, warnt Branchenberater Hidde Smit, der den Markt bereits seit 30 Jahren untersucht. Auch wenn einige kleinere Farmen nun Einschnitte vornehmen, so habe das Anbaugebiet in elf asiatischen Ländern - aus denen der Kautschuk hauptsächlich kommt - seit 2004 um 45 Prozent zugenommen.

Ähnlich sieht das auch Kovalska: "Für eine Erholung des Preises brauchen wir eine signifikante Reduzierung des Angebots oder eine starke Zunahme der Nachfrage". Es sei unwahrscheinlich, dass es zu einer der beiden Entwicklungen in naher Zukunft kommen werde.

"Wir stehen vor so vielen Herausforderungen, die von allen Seiten kommen", sagt Winai, dessen Farm rund 180 Kilometer südöstlich von Bangkok liegt. "Ich versuche, die Kosten zu senken, Strom zu sparen und die Haushaltsausgaben zu reduzieren. Ich lebe ein einfaches Leben dank des Geldes, das ich auf dem Höhepunkt der Preise verdient habe."

(Bloomberg)