Sie polarisiert wie kein anderes SBB-Investment: Die Lounge im Zürcher Hauptbahnhof. Alleine der Bau der exklusiven Warteräume für 1.-Klass-Passagiere hat im Denkmal geschützten Gebäude Millionen von Franken gekostet. Über die tatsächliche Höhe der Ausgaben für die Erstellung und den Unterhalt schweigen sich die SBB aus.

Zu den Kosten für weitere Lounges geben die Staatsbahnen ebenfalls keine Auskunft - aus politischen Gründen. Sicher ist aber: In Genf wird die zweite Lounge mit Platz für 50 Personen gebaut. «Wegen der sehr positiven Erfahrungen in Zürich hat SBB Personenverkehr kürzlich entschieden, voraussichtlich 2013 eine SBB Lounge in Genf zu eröffnen», sagt SBB-Sprecher Daniele Pallecchi zu cash.

«Ein sehr gutes Feedback»

Tatsächlich sind die 50 Sessel im Zürcher Hauptbahnhof gut besetzt: Täglich nutzen 350 bis 400 Passagieren die Lounge. Pallecchi: «Wir erhalten von den Kunden ein sehr gutes Feedback.» Dennoch sind die SBB nicht nur glücklich mit der Lounge. Denn über 90 Prozent der Nutzer sind 1.-Klass-GA-Besitzer.

Nur gerade wenige Prozent sind internationale 1.-Klass-Reisende. Doch wegen dieser Passagiere wurde der Luxus-Warteraum überhaupt erst erstellt. Als Mitglied von Railteam, einem Verbund von europäischen Bahngesellschaften, müssen die SBB die vereinbarten Vorgaben erfüllen, dazu gehören Lounges für 1.-Klass-Reisende. Auch Basel und Bern sind mögliche Standorte für weitere Lounges.

«Wir möchten die Bekanntheit der Zürcher Lounge bei Kunden mit internationalen 1.-Klass-Tickets weiter steigern», sagt Pallecchi deshalb. Ohne einen höheren Anteil an ausländischen Passagieren dürfte es für die SBB schwierig werden, die Hauptkritik an den Lounges - «Luxus-Räume für reiche Schweizer auf Staatskosten» - zu entkräften.

Heisses Eisen für die SBB

So oder so bleiben die exklusiven Warteräume ein heisses Eisen. Bei den SBB ist man denn auch bemüht, die teuren Bauten für 1.-Klass-Passagiere in ein Umfeld einzubetten: « Die SBB Lounge ist ein wichtiges Element der Serviceoffensive der SBB, worunter zahlreiche Verbesserungen für alle Kundinnen und Kunden fallen.» Dazu gehörten unter anderem die Beschaffung von neuem und komfortablerem Rollmaterial. So investiert die SBB beispielsweise in den nächsten 20 Jahren rund 20 Milliarden Franken in neues Rollmaterial und die Modernisierung der bestehenden Flotte.

Und eben einige Millionen Franken in Lounges für 1.-Klass-Passagiere.