Wie ein Lauffeuer machte am Dienstag das Gerücht die Runde, dass Spanien bei der EU einen Notkredit beantragt haben soll. Die Kurse an der Börse in Madrid, in Europa, an der Wall Street und in Asien gerieten masssiv unter Druck. Und die Versicherungskosten gegen den Zahlungsausfall von fünfjährigen spanische Staatsanleihen schossen in die Höhe (siehe Grafik).
Und obwohl der spanische Premier-Minister José Luis Rodríguez Zapatero in einer ad-hoc-Meldung die Märkte zu beruhigen versuchte und am Dienstagnachmittag in Brüssel sagte, die Gerüchte seien «völliger Irrsinn», geht die Kurserosion auch am Mittwoch weiter.
Die Gefahr einer Ausbreitung der Schuldenkrise, wie sie derzeit Griechenland erlebt, ist nach einer globalen Finanzkrise tatsächlich gross. In den vergangenen 200 Jahren folgten auf schwere Finanzkrisen immer lang andauernde Rezessionen und oft staatliche Schuldenkrisen.
Deshalb geht Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff davon aus, dass die Probleme in Griechenland, wo die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) in den nächsten drei Jahren mehr als 100 Milliarden Euro als Notkredit einschiessen müssen, zwar das erste aber nicht das letzte Problem dieser Art sein wird.
Bankrottwelle in den nächsten zwei, drei Jahren
«Wenn es zu einer Bankenkrise kommt, folgt innerhalb von zwei bis drei Jahren eine Welle von staatlichen Schuldenkrisen», sagt Rogoff. Im Buch «This Time is Different», das er zusammen mit Carmen Reinhart verfasst hat und das durch die Weltgeschichte der grössten Finanzkrisen führt, beschreibt Rogoff einen prototypischen Ablauf einer Krise.
Nach einer Spekulationsphase werden zunächst die Schwächen in den Bankbilanzen manifest und die Probleme im Finanzsektor beginnen. Dann starten die Zentralbanken mit den Unterstützungsprogrammen für die Banken. Es folgt der Währungs-Crash, die Inflation steigt an und schliesslich kommen die Staatsbankrotte. «Wir sind auf Kurs», so Rogoff unlängst im Wall Street Journal.
Im Gefolge der Subprime-Krise wurden vor allem Staaten in schwere Mitleidenschaft gezogen, die, wie die USA, eine Preisblase auf dem Immobilienmarkt hatten und starke Kapitalzuflüsse aus dem Ausland verzeichnet hatten. Rogoff und Reinhart erwähnen Bulgarien, Island, Irland, Lettland, Neuseeland, Spanien und Grossbritannien. In Marktkreisen werden auch Portugal und Italien dazugezählt.
Die staatliche Schuldenkrisen treten im historischen Rückblick typischerweise eher langsam auf. Neben den genannten Staaten des «Nordens» haben Rogoff und Reinhart auch Schwellenländer aus dem osteuropäischen, asiatischen und lateinamerikanischen Raum vor Augen.
«Angesichts der Tendenz, dass Staatsbankrotte nach einer globalen Finanzkrise zunehmen, dürfte als Folge der 'Zweiten Grossen Kontraktion' auch die Zahl der Bankrotte, Umschuldungsprozesse und/oder massiver IWF-Rettungspakete ansteigen», so die Prognose der Autoren.

