"Wo sehen Sie den SMI per Ende 2012", fragte cash seine Leser am letzten Freitag. Das Umfrage-Ergebnis ist eindeutig: 59 Prozent der insgesamt über 1800 Teilnehmer ist überzeugt, dass der SMI Ende Jahr höher als heute notiert. Eine Minderheit geht davon aus, dass bis im Dezember die Aktienkkurse eher wieder abbröckeln werden. 

Unterstützt wird die bullische Stimmung der cash-Leser von der aktuellen Hausse an den Aktienmärkten. Nachdem der SMI Anfang Juni mit 5775 Punkten den Tiefpunkt des Jahres erreicht hatte, ging es seither nur noch bergauf. Der Leitindex der Schweizer Börse ist gut zehn Prozent in die Höhe geschossen und steigt am Donnerstag auf den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten. Das Jahreshoch bei 6357 Zählern vom 16. März ist nicht mehr weit entfernt. 

Seit Juni geht es an den Börsen aufwärts

Auslöser dieser Sommerrally war die Forderung von EZB-Präsident Mario Draghi nach einer Bankenunion. Draghi sagte Ende Mai bei einer Anhörung vor dem Europaparlament, dass eine zentrale Aufsicht für grosse, systemisch wichtige Banken nötig sei. Die Finanzmärkte schöpften daraufhin wieder Hoffnung, dass ein weiterer Rettungsschritt in der Euro-Schuldenkrise bewältigt wird. Denn eine Bankenunion würde es Finanzinstituten erlauben, künftig Hilfe beim Rettungsfonds zu beantragen, ohne den Staat in die Verantwortung zu ziehen. 

Zusätzlich befeuert wurde die Aufwärtsbewegung von verschiedenen positiven Neuigkeiten. So endeten Mitte Juni die Griechenland-Wahlen nicht im Worst-Case-Szenario einer "Anti-Euro-Regierung", Anfang Juli senkte die EZB die Zinsen auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent und auch die jüngsten Halbjahreszahlen fielen ansprechend aus. 

Mehr fragil als stabil

Obwohl sich die Märkte inzwischen vom grossen Kurseinbruch im April wieder erholt haben, bleibt die Unsicherheit wegen der nach wie vor ungelösten Euro-Schuldenkrise bei den Investoren gross. Der Aufwärtstrend ist deshalb vielmehr fragil denn stabil, solange die Suche nach sicheren Anlagen andauert und die Cash-Quoten bei den grossen Investoren hoch bleiben. 

Auch aus charttechnischer Sicht könnte der SMI in den nächsten Tagen wieder etwas an Terrain verlieren. Die Indikatoren zeigen im Bluechip-Index im kurzfristigen Bereich eine überverkaufte Situation an. "Um das Jahreshoch durchbrechen zu können, sollte der SMI in den nächsten Tagen den jüngsten Anstieg etwas konsolidieren, um Kräfte zu sammeln", schreibt UBS-Charttechniker Michael Riesner in seinem Ausblick. 

Wenig optimistisch zeigt sich auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB). In ihrer technischen Analyse gehen sie davon aus, dass der SMI höchstens noch das März-Hoch egalisiert, wo ein seit 2010 gültiger Abwärtstrend verläuft. Deshalb drohe dem SMI anschliessend mindestens ein Fall auf 6000 Punkte, so der ZKB-Charttechniker. Im schlimmsten Fall könnte der Index sogar bis gegen 5500 Punkte korrigieren.