Ein Ex-Analyst von Standard & Poor’s (S&P) nahm in einem Interview mit Bloomberg News Stellung zu den Taktiken der Banken. Sein Name: Chui Ng.

Bei seinem alten Job arbeitete Ng auch an der Bewertung verschiedener Goldman-CDO, unter anderem an Vorläufern zu dem in der Klage gegen die Bank genannten Abacus-Wertpapier-Pool.
Einige E-Mails von Ng, die aus dieser Zeit stammen, wurden vergangene Woche von einem Untersuchungsausschuss des US-Senats veröffentlicht.

Das Gremium kam zu dem Schluss, dass «die Ratingagenturen der Wall Street erlaubt haben, ihre Analysen, ihre Unabhängigkeit und ihren Ruf für Zuverlässigkeit zu beeinflussen. Sie haben es für die hohen Gebühren getan, die sie erhalten haben», sagte der demokratische Senator Carl Levin, der dem Ausschuss vorsteht.

In letzter Minute Verbindlichkeiten hereingepackt

Laut Ng bieten die E-Mails ein «unvollständiges» Bild, zeigten aber gleichwohl, wie Banken die Bonitätswächter unter Druck setzten. Ihr Ziel sei es dabei gewesen, die Richtlinien für CDO während des Immobilienbooms abzusenken. «Die Banker sind bereit, alles zu sagen, um bei ihren Deals zu bekommen, was sie wollen», sagte Ng, der bis 2006 für S&P arbeitete.

Dabei ging es auch oft um die Zusammensetzung der CDO. Wie eine der veröffentlichten E-Mails von Ng zeigt, packte Goldman «in letzter Minute» rund 200 Millionen Dollar an zusätzlichen Verbindlichkeiten in einen 1,5 MIlliarden Dollar schweren Bond-Pool mit dem Namen Adirondack Ltd. Das bedeutete, dass die Bank rund 13 Prozent zum Pool selbst beisteuerte - zweieinhalb Mal so viel wie das von S&P gesetzte Limit von fünf Prozent.

Mit Bezug auf die Argumentationsstärke von Goldman erklärte Ng im Bloomberg-Interview: «Goldman ist sehr gut dabei, sich jeden einzelnen Deal anzugucken. Jedes einzelne CDO, das jemals aufgelegt wurde.» Laut Ng hinterliess Goldman bei vielen Profis den Eindruck, die Bank unterhalte ein Team, «das nach Widersprüchen zwischen verschiedenen Deals suchte und diese dann nutzte, um Moody’s, Fitch und S&P dazu zu nötigen, die eigenen Kriterien abzuändern.» Moody’s, Fitch, eine Tochter der Pariser Fimalac, und S&P sind die drei grössten Ratingagenturen.

Ein Risiko für die Bewertungsqualität

Zu den vom Untersuchungsausschuss vergangene Woche veröffentlichten E-Mails zählte auch eine von Moody’s-CEO Raymond McDaniel aus dem Jahre 2007. Darin heisst es: «Analysten und geschäftsführende Direktoren werden ständig von Bankern, Emittenten und Investoren mit Informationen gefüttert - mit jeweils vernünftigen Argumenten. Diese Ansichten können allerdings die Einschätzung der Kreditwürdigkeit färben, sie manchmal aufhellen und in anderen Fällen verschlechtern.»

Am Ende der E-Mail gibt er zu, dass dies - in Verbindung mit dem Streben der Ratingagenturen nach Marktanteilen und Renditen - ein ‘Risiko’ für die Bewertungsqualität darstelle. Fabrice Tourre, der Banker im Zentrum der SEC-Klage gegen Goldman Sachs, sowie Bankchef Lloyd Blankfein werden sich am Dienstag vor dem US-Senat zu den erhobenen Anschuldigungen äussern. Der New Yorker Finanzkonzern soll Investoren wichtige Informationen zu einem Produkt vorenthalten haben, das im Zusammenhang mit zweitklassigen Hypothekenpapieren steht.

Im Kern geht es dabei um ein CDO mit dem Namen Abacus. Laut der Börsenaufsicht SEC erlaubte Goldman einem Klienten, der gegen das Abacus-CDO wettete, die Auswahl der in diesem CDO- Portfolio enthaltenen Hypothekenpapiere zu beeinflussen. Gleichzeitig, so die SEC, erklärte Goldman gegenüber anderen Kunden, die Auswahl werde von einer unabhängigen dritten Partei getroffen.

(Bloomberg)