«Diese Geschichte kommt in etwa so häufig wie die von Nessi und Schottland», sagt Marc Furrer zur möglichen Übernahme von Sunrise durch Orange. Der Finanzchef von France Télécom hatte dieses Thema vor wenigen Tagen wieder aufs Parkett gebracht.

Obwohl dieser Schritt kaum so rasch vollzogen wird, ist er für den Präsidenten der Kommunikationskomission (comcom) absehbar. «Wahrscheinlich wird Orange Sunrise übernehmen.» Am Ende sei es eine Frage des Preises.

Wettbewerb wie zwischen Migros und Coop

Eine Veränderung des Telekom-Marktes sei nötig. «Wir haben im Schweizer Telekomsystem die unbefriedigende Situation, dass wir mit Swisscom einen Anbieter haben mit einem sehr grossen Marktanteil, und mehrere mit einem kleinen.» Die Stärke von Swisscom sei besorgniserregend.

Furrers provokative These: «Möglicherweise wäre der Wettbewerb besser und stärker, wenn wir im Mobilbereich einen Anbieter mit weniger als 60 Prozent hätten, und einen mit 40 und mehr Prozent.» Dann gäbe es einen härteren Wettbewerb wie im Detailhandel zwischen Migros und Coop.

Derzeit hat Swisscom einen Marktanteil von 60 Prozent und Sunrise und Orange je rund 20 Prozent. Furrer spricht sich damit klar für eine enge Kooperation oder Fusion der beiden Alternativanbieter aus. Die damit verbundenen rechtlichen Hürden müssten «gemeinsam mit der Wettbewerbskommission wohlwollend» geprüft werden.

«Tiefere Preise bitter nötig»

Bei nur noch einem Swisscom-Herausforderer müssten die Preise sinken. «Es dürfte nicht sein, dass der Herausforderer nur seine Marge optimiert und die Ersparnisse nicht zumindest zum Teil an die Kunden weitergibt», sagt Furrer. Tiefere Preise seien «bei unseren Mobiltarifen weiss Gott bitter nötig». Die Klagen der Konsumentenorganisationen seien denn auch berechtigt.

Neben einem Zusammenschluss von Sunrise und Orange sieht Furrer nur noch einen realistischen Weg, die hohen Mobilfunkkosten in der Schweiz runter zu bringen, nämlich so genannte Mobile Virtual Network Operators (MVNO). Diese bieten alle Telefondienste an, ohne ein eigenes Mobilfunknetz zu besitzen.

Zwar gibt es in der Schweiz schon Modelle, in denen Anbieter das Netz von anderen mitnutzen, dies jedoch zu überhöhten Preisen. Um das zu ändern müssten die Nutzungsgebühren vom Regulator festgelegt werden - und dafür bräuchte es wiederum eine Gesetzesrevision.

Wunsch nach viel tieferen Preisen ist unrealistisch

Marc Furrer macht aber auch klar, dass die Schweizer nicht europäische Mobilfunktarife erwarten könnten. «Man kann nicht alles wollen: Zehn mal höhere Grenzwerte für tiefere Strahlen und gleich tiefe Preise wie in Holland, Frankreich oder Griechenland.»

Zumindest für die nächsten Monate bleibe aber wohl alles bei altem: Die Swisscom bleibt so dominant wie kein anderer Ex-Monopolist in einem anderen europäischen Land. «Und die beiden anderen sind froh, wenn keiner dem anderen ein Auge aushackt.» Das sei wie bei einem Stillhalteabkommen. Ein Begriff, der auch auf den Veränderungswillen des Schweizer Parlaments in Sachen Telekom-Markt zutrifft.