“Sparen als Lösung ist einfach falsch”, sagte der Professor der New Yorker Columbia-Universität am Dienstag in Hongkong im Gespräch mit Bloomberg-TV. “Es wird keine Rückkehr zur Zuversicht geben - ganz im Gegenteil. Europa bewegt sich aus meiner Sicht bedauerlicherweise in die falsche Richtung.”

Die europäische Politik hat sich darauf verständigt, bis zum 30. Januar ein neues Regelwerk für stärkere Haushaltsdisziplin auf den Weg zu bringen. Damit soll die Krise bewältigt werden, die bereits Griechenland, Irland und Portugal gezwungen hat, um externe Finanzhilfen zu ersuchen.

In Europa könnte es einen “sehr ernsten” Konjunkturabschwung geben, so Stiglitz. Deshalb sei es wichtig, das Wirtschaftswachstum in der Region zu stärken. Die Politiker der Region scheinen indessen “nicht zu begreifen, was getan werden muss”, sagte Stiglitz.

In Bezug auf China erklärte er, eine Abschwächung der Wachstumsraten auf sieben Prozent bis acht Prozent sei wahrscheinlich eine “gute Sache”. Im Gespräch mit Reportern erklärte er auf einer Veranstaltung in Hongkong, das Wirtschaftswachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt sei nun “nachhaltiger”.

Sorgen wegen USA

Die Wirtschaftsleistung Chinas ist im vierten Quartal um 8,9 Prozent gestiegen und damit so langsam wie seit zehn Quartalen nicht, wie das Statistikamt in Peking am Dienstag mitteilte. Die Abschwächung könnte Ministerpräsident Wen Jiabao veranlassen, mehr für die Stützung der Konjunktur zu tun.

Asien entwickle sich “sehr gut”, sagte Stiglitz. Die Region sei in der Lage, den globalen Risiken entgegenzuwirken. Dabei verwies er auf die Entscheidung der People’s Bank of China vom Dezember, die Mindestreserve-Anforderungen an die Banken zu senken.

In Bezug auf die USA sagte Stiglitz, der verlängerte Zeitraum “niedriger” Zinsen mache ihm “Sorgen”. Er werde nicht zwangsläufig dazu frühen, dass verstärkt Arbeitsplätze geschaffen werden. Europa stehe ein “hartes” Jahr bevor und dies werde auch Auswirkungen auf die USA haben.

(Bloomberg)