Zwei Tage vor der Publikation der Jahreszahlen 2011 gab Sulzer endlich die CEO-Nachfolge für Ton Büchner bekannt. Es handelt sich um den 51-jährigen Deutschen Klaus Stahlmann, der die letzten beiden Jahren Chef beim Dieselmotoren- und Turbinenhersteller MAN Diesel & Turbo tätig war. Stahlmann übernimmt per sofort das Amt von ad-interim-CEO Jürgen Brandt.
Stahlmann hatte vergangenes Jahr sein Amt bei MAN unfreiwillig niederlegen müssen. Wegen Bestechungsvorwürfen in Kasachstan musste Stahlmann vor dem Richter erscheinen. Das Verfahren wurde vom Amtsgericht München nach Bezahlung einer Geldbusse aber eingestellt. Sulzer schrieb im Communique, dass der neue CEO nach eingehender Analyse die hohen Anforderungen an die Integrität und Compliance erfülle.
Für ein Unternehmen von der Grösse und Bedeutung von Sulzer war die lange Suche nicht nur eine unübliche und übermässige Verzögerung. Die CEO-Suche wurde langsam, aber sicher zur Farce. Denn Sulzer-Finanzchef Jürgen Brandt – und nicht wie in solchen Fällen oft üblich der Verwaltungsratspräsident – musste als Sulzer-Interimschef das Tagesgeschäft acht Monate führen.
"Die Suche dauert zu lange"
"Die Suche von Sulzer dauert zu lange. In der Regel werden bei solchen Positionen drei bis vier Monate benötigt, um geeignete Kandidaten zu finden", sagt der Winterthurer Headhunter Fredy Isler, der die Abläufe bei Sulzer als Aussenstehender beobachtet, noch am Montag gegenüber cash. Als ehemaliger Saurer-Top-Manager kennt er die Mechanismen von Industriebetrieben bestens.
Die Kommunikationsabteilung von Sulzer übte sich lange in Repetitionsrhetorik: "Der Nominationsprozess läuft", hiess es auf Anfrage von cash noch am Montag . "Sobald es eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger gibt, werden wir selbstverständlich umgehend die Öffentlichkeit informieren." Was am Dienstag nun geschehen ist.
Hauptaktionär Viktor Vekselberg als Drahtzieher
Klar ist: Sulzer-Hauptaktionär Viktor Vekselberg spielte bei der langatmigen CEO-Suche zweifellos die Hauptrolle. Der russische Milliardär, der an Sulzer eine 30-Prozent-Beteiligung hält, suchte eine Führungsperson, die ihm genehm - und zugleich Russland-freundlich gestimmt ist. Dieses Anforderungsprofil ist ganz offensichtlich kaum erfüllbar.
Denn an letzterem Punkt ist die Beziehung zwischen Vekselberg und Büchner gescheitert. Der ex-CEO soll nach Vekselbergs Vorstellungen das Russland-Geschäft zu wenig schnell vorangetrieben haben. Büchner zog die Konsequenzen - und wechselte zum Chemiekonzern Akzo Nobel.
"Gewisse Führungsschwäche" von Dormann
"Sulzer benötigt einen CEO, der international geprägt ist, die wichtigsten Märkte des Unternehmens kennt und Führungsstärken besitzt", sagte Isler vor der Nomination. Solche Persönlichkeiten seien auf dem Markt durchaus vorhanden. Das zögerliche Verhalten von Dormann, der als VR-Präsident bei einer solchen Suche den Lead übernehmen müsste, bezeichnet Isler als "gewisse Führungsschwäche".
Während Headhunter wie Isler die zeitlich ausgedehnte Chefsuche je länger je deutlicher hinterfragten, bleiben die Aktionäre stumm. Neben Vekselberg gibt es keinen weiteren Grossaktionär. Doch auch die Fondsgesellschaften als Investoren halten sich beim Thema Sulzer vornehm zurück und schweigen.
Mit Ausnahme der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) hat kein Fondsanbieter die Sulzer-Positionen unter den fünf grössten Titelpositionen von Anlagefonds aufgeführt.
Stahlmanns erste Amtshandlung wird die Präsentation der Bilanz 2011 am Donnerstag sein. Sulzer hatte Mitte Januar einen Anstieg der Bestellungen um 8,4 Prozent auf 3,5 Milliarden Franken bekanntgegeben. Sulzer hat einen Umsatzanstieg - 2010 waren es 3,2 Milliarden Franken - und eine zweistellige Gewinnmarge in Aussicht gestellt.

