«Informationen zu Fastweb», lautet der unscheinbare Name. Doch das 23 Seiten starke Dokument, das cash vorliegt, hat es in sich: Hier steht detailliert drin, was Swisscom bei der Akquisition von Fastweb über deren illegale Geschäfte wusste, und wie die Affäre Swisscom Schaden könnte.

Den brisanten Inhalt vorgetragen hat der Swisscom-Chef Carsten Schloter persönlich. Und zwar am 4. März den Mitgliedern der Fernmeldekommissionen von National- und Ständerat im Hotel Bellevue in Bern. Dabei zeigte Schloter auch die Risiken der Ermittlungen gegen Exponenten der italienischen Tochter Fastweb auf:

  • Risiko 1: Fastweb hat derzeit offene Rückforderungen von Mehrwertsteuern in Höhe von rund 70 Millionen Euro, die der italienische Staat wegen der laufenden Ermittlungen bislang zurückhält. Zitat aus dem Swisscom-Papier: «In Verbindung mit diesem Verfahren besteht ein finanzielles Risiko in der Höhe von rund 70 Millionen Euro exklusive allfällige Bussen. Es wird nun geprüft, ob diesbezüglich Rückstellungen notwendig sind.»
  • Risiko 2: Fastweb droht das Kommissariat. Damit würde Fastweb unter die Kontrolle eines Vertreters des italienischen Staates gestellt. Zitat: «Die genaue Ausprägung hinsichtlich einer allfälligen Einsetzung eines Kommissars ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer absehbar. Die Anwälte von Fastweb führen Gespräche mit dem Staatsanwalt und dem Richter über eine mögliche Abwendung.»
  • Risiko 3: Die Reputation von Swisscom und Fastweb nimmt Schaden. Zitat: «Ein Grossteil ihrer Umsätze erwirtschaftet Fastweb mit Geschäftskunden und der öffentlichen Hand, die auf einen zuverlässigen, stabilen und integren Lieferanten angewiesen sind. Die Reputation hat daher einen Einfluss auf die Wachstumsaussichten von Fastweb.» Dass die derzeit laufende Untersuchung und die damit verbundene Öffentlichkeit bereits negativ auf Fastweb wirkt, steht ebenfalls verklausuliert im Dokument: «Swisscom unternimmt alles, damit das aktuelle Verfahren gegen Einzelne die Reputation von Fastweb nicht nachhaltig schädigt.» Noch am Donnerstag sagte Schloter gegenüber der «NZZ»: «Zurzeit können wir aufgrund von Feedbacks von Kunden sagen, dass sich der Imageschaden in Italien noch in Grenzen hält.»

«Erweiterung des Engagements steht nicht zur Debatte»

Nicht unter der Rubrik «Risiko» stehen die möglichen Auswirkungen auf die Swisscom-Bilanz. Denn derzeit steht Fastweb mit einem Goodwill von 2,6 Milliarden Franzen in der Konzernbilanz von Swisscom. Die letzte Prüfung Ende 2009 ergab eine Bewertungsreserve von rund 1 Milliarde Euro. Zitat: «Die Werthaltigkeit ist stark abhängig von den Wachstumsaussichten des Unternehmens. Diese könnten durch einen Reputationsschaden negativ beeinflusst werden.»

Carsten Schloter hielt am Parlamentarierfrühstück in Bern nochmals fest, dass der Bundesrat keine Einwände gegen den Kauf von Fastweg erhoben und auch von einer Instruktion des Staatsvertreters im Verwaltungsrat - Felix Rosenberg - von Swisscom abgesehen habe.

«Die gesamte kriminelle Dimension, die in den vergangenen Tagen durch die italienischen Untersuchungsbehörden bekannt gemacht wurde, was damals Swisscom nicht bekannt und wäre auch nicht erkennbar gewesen», so Schloter.

Trotz dieser Beteuerung, alles nach bestem Wissen und Gewissen getan zu haben, friert Swisscom ihre Aktivitäten in Italien ein. Zitat: «Eine mögliche Erweiterung des Engagements in Italien steht nicht zur Diskussion, bis Klarheit besteht.»