Bereits am Donnerstag gingen im Markt Gerüchte um eine mögliche Fusion zwischen Temenos und dem britischen Konkurrenten Misys umher (cash Insider berichtete). Am Freitagmorgen sorgte Misys für mehr Klarheit. In einer Mitteilung bestätigte die Firma, dass sie Gespräche mit Temenos führe mit dem Ziel, einen bedeutenden internationalen Anbieter von Bankensoftware zu schaffen. 

"Die Gespräche dauern an, aber es gibt keine Gewissheit, dass das Geschäft wirklich zustande kommt oder wie die Konditionen sein werden", hiess es weiter. Auch Temenos bestätigte am Freitagmorgen in einer ziemlich dürr gehaltenen Medienmitteilung Fusionsgespräche mit Misys. Damit bestätigen sich die seit Mitte Januar herumgereichten und in diese Richtung gehenden Spekulationen.

Die Aktie von Temenos reagierte prompt: In einem leicht positiven Gesamtmarkt sprangen die Kurse mehr als 10 Prozent auf 19 Franken. Händler führen dies hauptsächlich auf Deckungskäufe zurück, da einige Investoren mit relativ schlechten Quartalszahlen gerechnet haben und Short-Positionen eingegangen sind. Temenos wird am 21. Februar die Zahlen präsentieren. 

Ausgang der Fusionsgespräche noch offen

Noch ist allerdings der Ausgang der Gespräche schwer abschätzbar. Aus dem Branchenumfeld ist zu vernehmen, dass auch ein indischer Interessent um Misys buhlt. Letztendlich dürfte es deshalb eine Frage des Preises sein, ob Temenos bei den Briten zum Zuge kommt oder nicht. Zusätzlich erschwert werden dürfte der Deal, wenn ein anderer Mitbieter eine Barofferte lanciert. Eine solche käme bei den Aktionären erfahrungsgemäss besser an als der von Temenos angestrebte "Paper-Deal". 

Aus Anlegersicht ist eine solche Fusion vorsichtig zu beurteilen. Auf der Kostenseite gibt es zweifelslos Synergiepotenziale, auf der operativen Seite gibt es schon mehr Fragezeichen. Die Probleme der beiden sind branchenbedingt sehr ähnlich. Die Investitionsneigung der Banken ist weiterhin rückläufig. Solange kein Umschwung feststellbar ist, werden auch die Aussichten gedämpft bleiben. Ein Spiegelbild dieser Entwicklung war das Jahr 2011, als die Temenos-Valoren in einem Jahr die Hälfte ihres Werts einbüssten. 

Aktien mit Unsicherheiten behaftet

Wie schwierig der Markt für Bankensoftware-Anbieter geworden ist, bekam am 20. Januar auch Avaloq zu spüren. Die Zürcher Firma zog wegen der rückläufigen Nachfrage die Reissleine und entliess rund einen Zehntel der Belegschaft. 

Trotz der jüngsten Avance von über 30 Prozent bleiben die Aktien von Temenos mit zu vielen Unsicherheitsfaktoren behaftet. Der Anleger sollte sich deshalb überlegen, ob er nicht jetzt mögliche Gewinne in die steigenden Kurse hinein mitnehmen möchte.