Es ist in dieser Woche das Gesprächsthema Nummer eins in der Teppichetage der UBS-Vermögensverwaltung - und zwar weltweit: Riccardo Petrachi, der bei der UBS die Sparte "Ulta High Net Worth Individuals International" leitete, verlässt die Bank. Rothschild Private Banking & Trust bestätigt am Donnerstag Informationen von cash, wonach Petrachi zu der in Zürich und in London ansässigen Privatbank wechselt.
Mit Petrachi (43) verliert die UBS einen ganz grossen Fisch. Seine Abteilung "Ulta High Net Worth Individuals International" soll laut Brancheninsidern Kundenvermögen von etwa 40 Milliarden Franken verwalten.
Über die Gründe des Job-Wechsels von Petrachi wird bei der UBS intern gemutmasst. Aber wie immer bei solchen Transfers in der Finanzdienstleistungsindustrie wird die Entlöhnung eine zentrale Rolle gespielt haben. Und wenn Kundenbetreuer im Private Banking das Institut wechseln, nehmen sie immer eine gewisse Anzahl Kundschaft mit.
Die "Ulta High Net Worth Individuals" sind die reichsten, die verhätscheltsten und die schwierigsten Kunden einer Privatbank. Ein Ultra-Reicher darf in der Regel nur Kunde bei der UBS werden, wenn er mindestens 50 Millionen Franken investieren kann. Es ist die Champions League des Private Bankings.
Zwei Sparten für die schwerreiche Kundschaft
Neben der "International"-Abteilung von Petrachi existiert bei der UBS-Vermögensverwaltung für die Super-Reichen die "Established Markets"-Sparte. Beide Spartenleiter rapportieren an Joe Stadler, Chef "Ulta High Net Worth Individuals" der UBS.
Petrachi ist vom beruflichen Werdegang kein typischer Private Banker. Noch vor wenigen Jahren war in den Medien seine Meinung als Derivatespezialist gefragt, unter anderem auch in der Wochenzeitung cash. Petrachi schrieb seine Dissertation über Aktienderivate, er war nach seiner Promotion an der Universität Zürich von 1997 bis 2002 Aktienderivate-Spezialist bei Goldman Sachs und dann bis 2005 Leiter Sales Aktienderivate bei Lehman Brothers in Zürich.
Erst danach wechselte Petrachi in die Vermögensverwaltung und beeindruckte die UBS-Manager als stv. Leiter der Sparte der reichsten Private-Banking-Kunden der Schweiz. Im Jahr 2009 wurde ihm dann die Sparte "Ulta High Net Worth Individuals International" übertragen. Seine Erfolge blieben der Konkurrenz nicht verborgen.
Petrachi wird zum Top-Shot bei der neuen Bank
Bei Rothschild soll Petrachi das Geschäft mit der ultra-reichen Kundschaft vorantreiben. In seiner neu geschaffenen Position als Leiter "Ultra High Net Worth Clients" wird er für die Kunden mit Vermögen von über 25 Millionen Franken zuständig sein.
"Wir verzeichnen eine grosse Nachfrage nach spezialisierten Dienstleistungen für sehr vermögende Kunden und Family Offices", sagt Thomas Pixner, Head Private Clients Rothschild Bank Schweiz. "Ich bin überzeugt, dass es Riccardo Petrachi mit seiner breiten Erfahrung und Kompetenz in der Beratung und Betreuung von Family Offices gelingen wird, dieses für Rothschild strategisch wichtige Geschäft auszubauen."
Die Bank betreut von Zürich aus Kundenvermögen in der Höhe von etwa 12 Milliarden Euro. Sie beschäftigt rund 450 Mitarbeiter in 15 Ländern. Die wichtigsten Standorte sind Zürich und London. Im Verwaltungsrat der Bank sitzt auch Hans Heinrich Coninx, Verleger und früherer VR-Präsident des Medienkonzerns Tamedia.
Der Abgang Petrachis ist für die UBS ein Rückschlag für eine Initiative, die im letzten Herbst gestartet wurde und welche die meisten anderen international tätigen Grossbanken bereits eingeführt hatten. Unter dem Namen "Global Family Office Group" startete die UBS im September eine interne Zusammenarbeit zwischen den internen Bereichen "Ultra-High-Net-Worth-Clients" des Private Bankings und der Investment Bank.

