Der Portfoliomanager Genji Tsukatani von Schroder Investment Management in Japan spricht den USA die Schrittmacherrolle für die Weltwirtschaft ab und hat dem Land eine Deflation ähnlich wie in Japan vorhergesagt. Innerhalb der nächsten drei Jahre dürften die USA in die Deflation abrutschen, hiess es in seiner am Mittwoch in Tokio vorgelegten Studie.
Die US-Notenbank Federal Reserve hatte am Dienstag eine moderatere Konjunkturerholung als zuvor erwartet prognostiziert und damit bereits am Anleihemarkt in den USA für deutlich sinkende Renditen gesorgt. Der Renditespread zwischen den massgeblichen japanischen Anleihen und Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit bewegt sich derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit Mai 2009.
Kreditblase und alternde Bevölkerung
Die Folgen der Kreditblase kombiniert mit der alternden Bevölkerung könnten die USA in den kommenden drei Jahren «in die Deflation schicken», hiess es von Tsukatani, der die Anleiheabteilung von Schroders in Japan leitet. Sollten die Realzinsen in den USA weiter nachgeben, dann werde das auch das Zinsniveau in Japan drücken, sagte er.
Den Realzins leitet Tsukatani nach eigenen Angaben aus der Rendite zehnjähriger Staatsanleihen abzüglich der aktuellen Inflationsrate ab. Im Falle einer Deflation steigt der Wert der festgelegten Zinszahlungen von Staatsanleihen.
Kein einsamer Warner
Mit seiner Warnung steht Analyst Tsukatani nicht alleine. Scott Mather, Leiter Portfoliomanagement bei der Allianz SE-Tochter Pacific Investment Management hatte in dieser Woche bereits von einem «steigenden Risiko» einer deflationären Entwicklung der USA nach japanischen Vorbild gewarnt. Der Fed- Präsident von St. Louis, James Bullard, bezeichnete das Land sogar als «näher an japanischen Verhältnissen als zu jeder anderen Zeit in der jüngeren Geschichte”»
In den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann in Japan eine hartnäckige Phase stagnierenden Wachstums und anhaltenden Preisverfalls. Die Phase wird mittlerweile als «verlorenes Jahrzehnt» bezeichnet.
(Bloomberg)
