Investoren und Privatanleger stossen derzeit CS-Aktien zuhauf ab - aus Angst, noch weitere Verluste verbuchen zu müssen. Allein seit Mitte März verloren die Titel der zweitgrössten Schweizer Bank ein Drittel ihres Wertes.

Die entgegengesetzte Haltung als viele Anleger nahmen zwei US-Investmenthäuser ein. Capital Group und Harris Associates haben in den letzten Tagen grosse Aktienpakete der Schweizer Bank erworben. Während Capital Group ihre Beteiligung von zuvor unter drei Prozent auf gut drei Prozent ausgebaut hat, ist Harris Associates neu mit 3,1 Prozent an der Credit Suisse beteiligt.

Die SIX Group publizierte die Käufe am Donnerstag auf ihrer Website. Die beiden Investmentgesellschaften kauften die CS-Aktien zu einem Schnäppchenpreis in Anbetracht des Kurssturzes der CS-Aktien der letzten Wochen.

Engagement mit Signalwirkung

Insbesondere vom Einstieg der Investmentgesellschaft Harris Associates geht deshalb eine gewisse Signalwirkung aus. Denn der Investor hat sich in der Vergangenheit einen Namen als erfolgreicher Value-Investor gemacht. Laut eigenen Angaben kauft Harris Associates Aktien, die stark unterbewertet sind und die über ein signifikantes Aufwärtspotenzial verfügen. Das Unternehmen mit Sitz in Chicago verwaltet 75 Milliarden Dollar.

Auch Capital Group ist von Kurssteigerungen der Credit-Suisse-Aktien überzeugt, zumindest auf die lange Sicht. Capital Group, die 1931 gegründet wurde, wählt Aktien aus, die über einen Zeitraum von fünf, zehn oder zwanzig Jahren überzeugen können. Auf die täglichen Marktschwankungen sind für Capital Group wenig relevant.

Capital Group und Harris Associates gehören neu zu den bedeutendsten CS-Aktionären. Noch mehr Aktien halten die Crescent Holding und der Staatsfonds von Katar mit je über sechs Prozent und Dodge & Cox mit 3,03 Prozent. Zudem ist Harris Associates auch an Julius Bär, Givaudan, Burckhardt Compression investiert. Capital Group hält namhafte Beteiligungen an Actelion, Temenos oder DKSH.

Die CS-Titel stehen allerdings auch am Freitag auf dem Verkaufszettel zahlreicher Anleger. Die Aktie verliert zwischenzeitlich gegen drei Prozent und liegt bei etwas über 18 Franken. Dies ist der tiefste Wert seit 1997 als die CS Holding zur Credit Suisse Group umfirmiert wurde.

Gegen den Trend

Der Einstieg der beiden US-Investoren in die Credit Suisse widerspricht der allgemeinen Marktmeinung. Die Probleme der CS sind schlicht zu gross und rechtfertigen laut Marktbeobachtern kein Investment. So ist die CS im Vergleich mit anderen Banken schlecht im lukrativen Foreign-Exchange-Tranding positioniert (zum Artikel).

Und auch charttechnisch sieht es schlecht aus für die CS-Titel. Mit dem Durchbruch der wichtigen Supportzone bei 19,50 bis 20 Franken ist der Raum bis 15,50 Franken nach unten offen.