Die Aussicht ist verlockend: Rund 7,4 Milliarden Dollar Prämien ist der iranische Versicherungsmarkt schwer - das ist in etwa so viel wie die Versicherungskammer Bayern 2014 eingenommen hat. Nach Aufhebung der meisten Sanktionen wollen internationale Unternehmen nun ein Stück vom Kuchen abhaben.

Die erste Chance könnte sich schon bald ergeben. Denn Ende März laufen - zum Jahreswechsel nach dem persischen Kalender - viele Versicherungsverträge iranischer Anbieter aus. Konzerne wie die Allianz, Zurich, Hannover Rück und die britische RSA haben bereits kundgetan, dass sie die Möglichkeiten prüfen, die sich im Iran eröffnen.

Dem Land wurde lange vorgeworfen, nach Atomwaffen zu streben. Mittlerweile hat die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) Teheran aber bescheinigt, alle Verpflichtungen des Abkommens vom Juli 2015 erfüllt zu haben, woraufhin die Sanktionen weitgehend gestrichen wurden. Nach Jahren der wirtschaftlichen Isolation kann das Land also wieder Öl am Weltmarkt verkaufen und Flugverbindungen in die EU unterhalten.

Am lukrativsten erscheinen Versicherungsexperten die Schifffahrt und Ölindustrie. Aber auch in der Lebensversicherung sehen sie Potenziale: Sie macht im Iran mit fast 80 Millionen Einwohnern bisher nur ein Zehntel des Prämienvolumens aus, weltweit steht sie aber für mehr als die Hälfte der Einnahmen von Assekuranzen.

Der schnellste Weg in den Markt dürfte für ausländische Versicherer und Makler über die Rückversicherung führen, der Absicherung lokaler Anbieter. Gerade einmal vier Prozent des Prämienvolumens - rund 300 Millionen Dollar - sind derzeit über solche Rückversicherer abgedeckt.

Viel Besuch

Das dürfte sich rasch ändern. Mohammad Asoudeh, Vize-Verwaltungsratschef der Iranian Reinsurance, sagt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters, mehrere ausländische Versicherer hätten nur auf die Aufhebung der Sanktionen gewartet und stünden nun in den Startlöchern. "Wir hatten genügend Besuch. Die Wiederaufnahme des Geschäfts könnte schnell gehen, aber es hängt von den Bedingungen ab, die sie uns bieten." Auch bei Sasan Soltani in Dubai haben sich britische und japanische Makler bereits vorgestellt. Die Iran Insurance Company, bei der er für den Ausbau des Geschäfts in der Region zuständig ist, sitzt zwar in Dubai, gehört aber mehrheitlich iranischen Eigentümern.

Doch einfach wird der Markteintritt im Iran gerade für Banken und Versicherer aus Amerika nicht, da die USA ihre Sanktionen nicht so stark wie die Europäer gelockert haben. So sind immer noch einige Strafmaßnahmen in Kraft, die direkte Geschäfte der Finanzbranche mit dem Iran untersagen. Das betrifft zum Beispiel Transaktionen in Dollar, der gebräuchlichsten Währung in der Rückversicherung. Das verunsichert auch viele Nicht-Amerikaner: "Die Leute werden sehr vorsichtig sein", glaubt Bassem Kabban, Chef des Versicherungsmaklers United Insurance Brokers (UIB) in London. "Wenn sie nicht sicher sind, werden sie es lieber seinlassen." Die UIB aber wolle ihr Büro in Teheran "so schnell wie möglich" wieder öffnen. Sie habe die Sanktionen befolgt, aber ihre Mitarbeiter im Iran über die vergangenen fünfeinhalb Jahre weiter bezahlt.

Rückversicherer aus Frankreich und Japan, die im Iran in der Vergangenheit am stärksten vertreten waren, dürften laut Kabban am schnellsten wieder aktiv werden. Andere ausländische Partner dürften dagegen zögern. Denn im Iran gibt es immerhin schon 27 Versicherer und zwei Rückversicherer. Doch internationale Kredit-Ratings fehlen ihnen - eben weil sie von den globalen Märkten bisher abgeschnitten waren. Die Iranian Reinsurance Co arbeitet derzeit an ihrer Bonitätsnote und ist mit zwei Rating-Agenturen im Gespräch, wie Asoudeh sagt. "Das steht ganz oben auf unserer Tagesordnung."

(Reuters)