"Das Aktiengeschäft wurde immer schwächer und irgendwann muss man sich entscheiden, ob man seine Zeit nicht besser auf andere Weise verbringt", sagt der frühere Direktor des Brokergeschäfts bei der Rasmala Investment Bank Ltd. in Dubai. Im Juni gab der 34-Jährige den Brokerjob auf und half beim Aufbau eines Deli-Imbiss mit dem Namen 1762. Der neue Arbeitsplatz ist nur wenige Hundert Meter entfernt von seinem früheren.
Drei Jahre nachdem die Dubai-Blase geplatzt ist, befindet sich die Finanzbranche immer noch auf Talfahrt und es gibt kaum Anzeichen für eine Besserung. Zwar hat das Emirat erfolgreich umgeschuldet und in die Sektoren Transport und Tourismus investiert. Doch im Dubai International Financial Centre ist die Zahl der Beschäftigten von 11.436 im Jahr 2009 bis Mitte 2011 auf 11.331 weiter gesunken.
"Während des Booms hat jeder mehr investiert, um Marktanteile zu gewinnen", sagt Rantisi. Das sei übertrieben gewesen und das erste Anzeichen, dass der Zyklus zum Ende kommen werde. Heute sei es umgekehrt." Die Leute geben auf oder konzentrieren sich auf andere Investments, weil der Markt ausgetrocknet ist." Der Name 1762 ist eine Anspielung auf den Earl of Sandwich, der angeblich in dem Jahr sein Fleisch zwischen zwei Brotscheiben bestellte, damit er während des Essens am Spieltisch sitzen bleiben konnte.
Massensterben bei Brokerfirmen
Das Handelsvolumen am Dubai Financial Market ist nach 2009 um 77 Prozent eingebrochen und 41 der 98 Brokerfirmen, die 2008 tätig waren, haben seither aufgegeben. Banken, darunter Schwergewichte wie Credit Suisse und Nomura Holdings, haben ihr Aktiengeschäft oder die Aktienanalyse zurückgestutzt. Al Futtaim HC Securities, der nach Handelsumsatz im Juli führende Broker in Dubai, erklärte am 4. Januar, er werde sich aus den VAE zurückziehen.
Der Crash folgte auf Immobilienspekulationen, in deren Verlauf der Staat und staatliche Unternehmen insgesamt rund 110 Mrd. Dollar an Schulden auftürmten. Der Benchmark-Index DFM General Index hatte sich innerhalb von fünf Jahren fast versechsfacht.
Der Marktwert der in den VAE notierten Aktien liegt derzeit bei 97 Mrd. Dollar im Vergleich zu 206 Mrd. Dollar Ende 2007, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Ausländische Investoren haben ihre Investments in Dubai-Aktien im Zuge der Staatsschuldenkrise in der Eurozone und unter dem Eindruck der politischen Umwälzungen in den arabischen Ländern abgebaut. Sie erwarben im dritten Quartal für 2,8 Mrd. Dirham (762 Mill. Dollar) Aktien, das lag 83 Prozent unter dem Wert im gleichen Zeitraum des Jahres 2009.
Schwellenländer-Status würde helfen
Dubais Benchmark-Index verlor 2011 17 Prozent, in Abu Dhabi bröckelte das Börsenbarometer 12 Prozent ab. Zum Vergleich: der MSCI Emerging Markets Index fiel um 20 Prozent. Es wird mindestens bis Juni dauern, bevor die VAE in den Indizes von MSCI Inc. den Status Schwellenländer erhalten, derzeit zählen sie zu den "Frontier"-Staaten.
"Wenn die VAE in den MSCI Emerging Markets Index aufgenommen würden, wäre das etwas, was das Handelsvolumen aufmöbeln könnte", schrieb Georges Elhedery, Leiter Globale Märkte für den Nahen Osten und Nordafrika bei HSBC am 4. Januar per Email. "Das würde den internationalen Schwellenländerfonds erlauben, diesen wichtigen Markt zu betreten", erläuterte er. Die MSCI-Indizes werden von Fonds mit einem Anlagevolumen von rund 3 Billionen Dollar nachgebildet. MSCI hatte die Bedenken von Investoren im Hinblick auf ein neues Abwicklungssystem als Grund für seine abwartende Haltung genannt.
Die VAE und auch Qatar, dass ebenfalls im Hinblick auf eine Aufnahme in die MSCI Schwellenländer-Indizes auf dem Prüfstand steht, "verdienen aufgrund ihrer Finanzstärke und ihrer wirtschaftlichen und politischen Stabilität eine Aufwertung", schrieb auch Paul Cooper, Managing Director bei Sarasin-Alpen & Partners in Dubai am 21. Dezember per Email. Das schwierige globale Wirtschaftsumfeld könnte sich sogar zu Gunsten der arabischen Region auswirken, da deren Finanzstärke eine Übergewichtung rechtfertigen würde, ergänzte er.
Ex-Aktienbroker leiten Nachtclubs
Die Wertpapieraufsicht der VAE, Securities & Commodities Authority, hat nach Angaben ihres Chefs Abdullah Al Turaifi vom November vor, in der ersten Jahreshälfte Regeln für Liquidität, Shortselling, Wertpapierleihe und Ausleihungen herauszugeben.
So lange sich der Finanzmarkt jedoch nicht wiederbelebt, ziehen die Ex-Aktienbroker es vor, Restaurants, Nachtclubs und Hotels zu leiten. Vyas Jayabhanu, Manager des Brokers Al Dhafra Financial Broker, hat das vergangene Jahr damit verbracht das Vier-Sterne-Hotel Boutique 7 Hotel and Suites in Dubai zu entwickeln - komplett mit Bar, Café und bald auch einem Nachtclub. Das Geschäft laufe gute, berichtet der 35-Jährige. "Wenn jemand bankrott ist, trinkt er mehr".
(Bloomberg)

