Jim Rogers, früher ein Hedgefonds-Manager und heute Buchautor, ist nie um markige Worte verlegen. Kürzlich äusserte er sich in einem Video-Interview mit der US-Website "Money News" zur Frage, ob Anleger das Anfang September angekündigte Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank zum Anlass nehmen sollen, in den Euro zu investieren.
Die Antwort von Rogers, der per Skype aus seiner Wahlheimat Singapur zugeschaltet war, fiel prägnant aus: "Wer Euro kaufen will, soll doch besser gleich in den Schweizer Franken gehen." Diese "Hans-was-Heiri"-Aussage begründet er mit der faktischen Anbindung zwischen den beiden Währungen.
SNB als dritter Euro-Rettungsschirm?
Rogers bezieht sich dabei vor allem auf die vor über einem Jahr von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingeführte Euro-Untergrenze von 1,20 Franken, welche die Notenbank weiterhin mit allen Mitteln verteidigen will. Per Ende August betrugen die Devisenreserven der SNB 480 Milliarden Franken, wobei rund 60 Prozent davon in Euro angelegt sind. Dies hat unlängst auch UBS-Chefökonom Daniel Kalt zum Anlass genommen, die SNB als dritten unlimitierten Euro-Rettungsschirm nach EFSF und ESM zu bezeichnen.
Soweit wollte Rogers nicht gehen. Allerdings rechnet der Amerikaner, der in zwei Wochen 70 wird, dass die Gleichschaltung von Euro und Franken eines Tages gesprengt werde. "Wenn die Dinge in Brüssel irgendeinmal aus der Hand gleiten, hat die SNB die Möglichkeit, am Wechselkurs weiter herumzuschrauben. Und das gibt dem Franken gegenüber der Gemeinschaftswährung Potenzial", so Rogers im Interview.
Er verglich die Ausgangslage mit jener des US-Dollars und dem Hongkong-Dollar. "Wer den US-Dollar möchte, soll den Hongkong-Dollar kaufen", sagt Rogers. Denn auch hier werde eines Tages die fixe Bindung zu Ende gehen, und der Hongkong-Dollar zum US-Dollar nach oben ausbrechen.
Renminbi und Rubel im Fokus
Derzeit würde Rogers aber weder den Franken noch den US-Dollar kaufen. Er hat zwei komplett andere Währungen im Visier: Den chinesischen Renminbi und den russischen Rubel. "Ich kaufe den Renminbi, wenn immer ich kann. Ich gehe davon aus, dass die chinesische Währung sich gegenüber dem Dollar in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren verdoppeln oder verdreifachen wird."
Rubel kauft Rogers "erstmals in meinem Leben". Für die russische Währung spricht seiner Meinung nach, dass sich in den letzten Jahren das Investitionsumfeld in Russland entscheidend verändert habe. "Russland hat während 95 Jahren das falsche Spiel gespielt", sagte Rogers. Nun habe sich vieles geändert, und er sei überzeugt, dass es viele grosse Investitionsmöglichkeiten in Russland gäbe. Und Rogers setzt noch einen drauf: "Es könnte aus Investorensicht eine grosse, grosse Story geben."
«Wer am Euro interessiert ist, soll Franken kaufen»
Bild: Bloomberg
Die amerikanische Investorenlegende Jim Rogers sagt in einem Interview, wieso Anleger besser den Schweizer Franken als den Euro kaufen. Seine Favoriten sind aber zwei «R»-Währungen.

