Im März hatte er ein Treffen mit dem Investmentchef einer vermögenden Familie in London, der gleich zu Beginn der Unterhaltung erklärte, dass seine Firma nicht gedenke, in einen Hedgefonds Geld zu stecken, der auf Griechenland setze. Er wolle lediglich Elliotts Geschichte hören, sagt der Gründer der Hedgefondsgesellschaft Naftilia Asset Management im Telefoninterview mit Bloomberg News.
Der 39-Jährige antwortete mit einigen Gegenfragen und wollte wissen, ob sein Gegenüber in Russland nach der Währungskrise von 1998 investiert habe?, oder in Argentinien von zehn Jahren?, oder in den Standard & Poor’s 500 Index im März 2009, als das Börsenbarometer sein 13-Jahres-Tief erreicht hatte? Zu guter Letzt wollte Elliott wissen, ob der Investmentchef je Aktien von Apple gekauft habe. Auf alle Fragen erhielt er ein ’Nein’.
Beste Anlagechancen der letzten 20 Jahre verpasst
“In dem Fall sind Sie nicht qualifiziert, mit mir über Griechenland zu sprechen, da Sie die besten Investment- Gelegenheiten der vergangenen 20 Jahre verpasst haben”, erinnert sich Elliott, dem Investmentchef erwidert zu haben.
Nach einer längeren Diskussion erklärte sich die Vermögensverwaltung bereit, ein Team nach Athen zu senden, um die Thesen Elliotts zu prüfen. Schließlich investierten sie Geld in den Greek Opportunity Fund von Naftilia. Um wen es sich dabei genau handelt, wollte Elliott nicht sagen, da er seine Investoren geheim hält.
“Es braucht seine Zeit, Leute zu überzeugen, aber wenn wir ihnen die Zahlen zeigen und uns nicht auf Makro- sondern die Mikro-Ebene individueller Unternehmen konzentrieren, werden sie begeistert”, sagt Elliott.
Über 50 Millionen Euro investiert
Wie viele Mittel der Fonds mittlerweile eingesammelt hat, wollte Elliott nicht angeben, eine informierte Person erklärte jedoch gegenüber Bloomberg News, dass es mehr als 50 Millionen Euro sind. Auf welche Branche der Hedgefonds setzen will, wurde nicht spezifiziert, komplett meiden will Elliott jedoch Banken. Das maximale Fondsvolumen ist auf 250 Millionen Euro begrenzt, da die Aktien nach dem Ausverkauf mittlerweile so günstig sind, dass der Markt keine größeren Summen handhaben könnte. Etwa 75 Prozent der griechischen Unternehmen besitzen einen Marktwert von weniger als 50 Millionen Euro.
Die meisten Investoren sind kritisch, wenn Griechenland mit Argentiniens Merval-Index verglichen wird, der seit Ende 2001 mehr als 600 Prozent zugelegt hat. Und Apple hat sich zum wertvollsten Konzern der Welt gemausert. Griechenland hingegen durchlebt gerade das fünfte Rezessionsjahr in Folge, kommt auf eine Arbeitslosenquote von 21,9 Prozent und mit Mittelabflüssen bei seinen Banken kämpfen. Zinsstratege Harvinder Sian von Royal Bank of Scotland Group Plc sieht eine Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent, dass das Land in den nächsten zwei Jahren aus der Eurozone herausfällt.
Der Athener Leitindex ASE hat seit Ende 2007 etwa 88 Prozent verloren und die Rendite zehnjähriger Griechen-Bonds liegt bei 26 Prozent - verglichen mit 1,6 Prozent für vergleichbare Bundesanleihen. Trotz der Schuldenrestrukturierung im März sehen offenbar Investoren ein hohes Ausfallrisiko bei den griechischen Papieren.
Beispiel Argentinien: Hohe Volatilität, hohe Gewinnchancen
Elliott, der zuvor Investmentbanker bei Societe Generale, Aktienanalyst bei Marfin Investment Group und Investmentmanager bei Prometheus Gas war, lässt sich davon allerdings nicht einschüchtern. Die vergangenen 18 Monate hat er damit zugebracht, Unternehmens-Bilanzen zu prüfen, ein Netzwerk mit Kontakten in Wirtschaft und Regierung aufzubauen, Analysten von Banken anzuheuern und sich mit potenziellen Investoren zu treffen. Außer ihm arbeiten noch sieben Kollegen am Greek Opportunity Fund.
Sie konzentrieren sich auf Konzerne, die durch das Stigma in Griechenland ansässig zu sein, belastet wurden, gleichzeitig allerdings einen Großteil ihrer Geschäfte außerhalb des Landes machen. Hinzu kommen Unternehmen, deren Aktienkurs sie interessant für eine mögliche Übernahme macht.
“Nach dem Zahlungsausfall Argentiniens gab es unglaubliche Gewinne am Aktienmarkt, aber auch eine unglaubliche Volatilität bei der Währung. Es war also schwer, ein Portfolio aufzubauen”, sagt Elliott. “Wenn Griechenland im Euro bleibt, werden sich unserer Ansicht nach unglaubliche Investment-Gelegenheiten bieten.” Sollte das Land jedoch zur Drachme zurückkehren, könnten Investoren günstiger Aktien einkaufen, fügt er hinzu.
In den vergangenen sechs Wochen bis nach der Wahl der neuen Regierung hatte Elliott seine Investments auf Eis gelegt und abgewartet. Nach der Bildung der neuen Regierung könnte er nun auch neue Investoren dazugewinnen, sagt Stavros Siokos, Präsident von Sciens Capital Management in London.
Ein Austritt Griechenlands aus dem Euro wäre für das Land und seine Einwohner wohl eine Katastrophe, Unternehmen mit starkem Auslandsgeschäft könnten davon allerdings profitieren, erklärt Siokos. Denn ihre Einnahmen fallen dann in starken Währungen wie dem Euro und dem US-Dollar an, während ihre Arbeits- und Kredit-Kosten in der günstigen Drachme wären. In solche Konzerne investiert zu sein wäre dann keine schlechte Sache, sagt Siokos.
(Bloomberg)

