Die Nachwirkungen von Hildebrands Rücktritt als Direktoriumspräsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Montag hielten an den Devisenmärkten noch bis in den frühen Dienstagmorgen an. Der Franken stieg zwischenzeitlich auf 1,2106 Franken pro Euro, das ist das höchste Niveau seit dem 19. September 2011. Schon unmittelbar nach der Abgangs-Ankündigung Hildebrands tauchte der Euro zum Franken kurzzeitg auf 1,2108.
Seit Dienstag pendelt die Schweizer Währung zwischen 1,2120 und 1,2140 Franken pro Euro. Das ist noch immer ein deutlich tieferes Niveau als der Durchschnittkurs der letzten Monate. Was passiert, sollten die Personalturbulenzen rund um die SNB-Spitze weiter anhalten? Schreiten die Hedge-Fonds zum Racheakt, nachdem die SNB ihnen mit der Einführung der Mindestkursgrenze im September eine lukrative Spielwiese weggenommen hatte?
Verteidigung der Limite vorübergehend teuer?
Ausschliessen will der ehemalige Preisüberwacher Rudolf Strahm einen Angriff auf die Mindestgrenze nicht: "Das werden wir in den nächsten Tagen sehen. Möglicherweise kann die Verteidigung der Limite vorübergehend teuer werden", sagte er im cash-Interview zum Abtritt von Philipp Hildebrand (zum Interview).
Heikel für den Franken ist vor allem, dass "wir uns vermutlich in der grössten Wirtschaftskrise seit einem Jahrhundert befinden", sagt Dominik Zehnder von Kehrli & Zehnder in Zürich gegenüber cash. "Die SNB in einer solchen Situation zu schwächen, erscheint sehr gefährlich. Wir müssen alles daran setzten, das Vertrauen in die Institution zu stärken", sagt der Partner des Family Office.
Die SNB braucht jetzt also möglichst viel Vertrauen und Ruhe. Um dies zu erreichen, wäre nun ein Schritt ganz wichtig. "Die Wahl von Thomas Jordan an die Spitze des SNB-Direktoriums wäre ein gutes Zeichen an die Finanzmärkte", sagt Janwillem Acket, Chefökonom bei der Bank Julius Bär. "Jordan steht für eine Weiterführung der bestehenden geldpolitischen Doktrin und verfügt über die grösste Erfahrung im Direktorium", so Acket. Eine Nomination von Jordan würde auch den Aufwertungsdruck vom Franken nehmen.
Doktrin wichtiger als Personen
Ausschliessen kann man derzeit bei der SNB wegen der in Aussicht gestellten Untersuchungen auf Personalebene aber nichts mehr. Gefährdet ist etwa der Sessel von Bankrats-Präsident Hansueli Raggenbass, schlimmer noch wäre ein forcierter Abgang des Interims-Präsidenten Jordan.
Einige Ökonomen sind der Ansicht, dass auch im Fall eines solchen Szenarios die Kursuntergrenze halten würde. Denn solange nicht an der geldpolitischen Ausrichtung der Schweizerischen Nationalbank gerüttelt werde, ist die Gefahr klein, dass Devisenspekulanten den Euro-Franken-Mindestkurs von 1,20 Franken testen. Insofern sei es kurzfristig nicht so bedeutsam, wer die SNB führe, sagt Felix Brill, Ökonom bei Wellershoff & Partners.
Tatsache ist aber, und dies unabhängig von den SNB-Turbulenzen, dass der Euro in nächster Zeit unter Druck bleibt. Statistiken der "Commodity Futures Trading Commission" (CFTC) zeigen, dass im Dezember des letzten Jahres die Shortpositionen im Euro auf ein neues Rekordniveau geklettert sind. Und Besserung ist nicht in Sicht: "Diese Entwicklung wird auch in den kommenden Monaten anhalten", sagt ein Devisenhändler gegenüber cash.
Aus charttechnischer Perspektive ist mit dem Unterschreiten von 1,2120 Franken der Weg offen bis 1,2050 Franken, schreibt die Zürcher Kantonalbank am Dienstag in einer Notiz an die Investoren.

