Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hält sich weiterhin bedeckt. "Wir befinden uns in einem laufenden Verfahren. Es geht darum, die Interessen der Bank zu schützen", begründet ZKB-CEO Martin Scholl im cash-Video-Interview die zurückhaltende Information. Auch wenn die ZKB gerne transparenter informieren möchte, angesichts des Verfahrens sei es aber besser, vorderhand wenig an die Öffentlichkeit zu tragen, ganz nach dem Motto "Loose Lips, sink Ships", sagt Scholl - was so viel heisst, wie: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Ebenso wollte ZKB-Bankratspräsident Jörg Müller-Ganz gegenüber cash den Stand der Verhandlungen mit den USA nicht kommentieren. 

Noch vor wenigen Tagen fragte Urs Birchler, Professor für Banking am Institut für Schweizerisches Bankenwesen an der Universität Zürich, in seinem Blog (zum Artikel): "Können wir Zürcher noch ruhig schlafen?" Seine Angst: Via Staatsgarantie hängen die Zürcher Steuerzahler "in dieser Steuergeschichte voll mit drin". Wie fatal ein Steuerstreit mit den USA ausgehen kann, zeigt das Beispiel der Bank Wegelin, die Ende Januar ihr Nicht-US-Geschäft in einem Notverkauf an die Raiffeisenbank in Sicherheit gebracht hat.

Keine Auskunft zu Rückstellungen

Scholls Replik an der Medienkonferenz: "Die ZKB ist eine der sichersten Banken auf der Welt." Ob die ZKB ähnlich wie Credit Suisse für den Steuerstreit Rückstellungen vorgenommen hat, wollte Scholl nicht sagen. Zu Einzelfällen gebe die Bank keine Auskunft, sagte er. Für alle erkennbaren und bezifferbaren Risiken würden Rückstellungen vorgenommen.

Nach Scholls Worten floss der ZKB während der Finanzkrise enorm viel Geld reicher Kunden zu. Von dem Nettozufluss von 16,4 Milliarden Franken des Jahres 2008 sei ein tiefer einstelliger Prozentsatz von US-Kunden gekommen. Aktiv bearbeitet habe die ZKB den US-Markt nie. Zwischen 2002 und 2010 belief sich das Geschäft mit US-Kunden auf weniger als ein Prozent der verwalteten Vermögen. 75 Prozent dieser Kunden waren Amerikaner in der Schweiz oder Schweizer in den USA.

Aufnahmestopp für US-Kunden seit 2008

Im Juni 2008, einen Monat nachdem Untersuchungen wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung gegen UBS bekanntgeworden seien, habe die ZKB dann einen ersten Aufnahmestopp für US-Kunden erlassen. Das Moratorium wurde schrittweise verschärft und im Juni 2009 beschloss die Bank, das Wertpapiergeschäft mit US-Kunden ganz einzustellen. Ende Dezember 2011 forderte die ZKB dann auch die Kunden zum Gehen auf, die lediglich ein Konto bei der Bank hatten.

Das frühzeitige Moratorium sollte nach Scholls Einschätzung dokumentieren, dass die Bank nie versuchte, vom Ausstieg der UBS aus dem grenzüberschreitenden US-Geschäft zu profitieren. Der Bank Wegelin, gegen die Anfang Februar eine formelle Anklage wegen Beihilfe zu Steuerhinterziehung erhoben wurde, hatten die Amerikaner Medienberichten zufolge besonders übelgenommen, dass sie gezielt mutmassliche US-Steuersünder von der UBS übernommen habe. Wie die Amerikaner das alles bewerten, ist nach Scholls Worten offen. "Rückblickend betrachtet wäre ein früherer Ausstieg aus dem Geschäft sicher besser gewesen", sagte er. Die ZKB komme allen Informationsanforderungen der Amerikaner nach soweit sie mit Schweizer Recht vereinbar seien. Namen von Kunden oder Mitarbeitern seien nicht ausgeliefert worden.

Gutes ZKB-Jahr 2011

Für sich spricht das Resultat der Bank: Gegen den Branchentrend gelang es der ZKB, 2011 mehr zu verdienen. Der Gewinn stieg um 5,6 Prozent auf 769 Millionen Franken. Den grössten Beitrag lieferte das Zinsengeschäft. Die Bank habe sich frühzeitig auf die Zuspitzung der Spannungen in der Euro-Zone eingestellt und sich gegen markant sinkende Zinsen kurz- bis mittelfristig abgesichert. Der Hypothekenbestand erhöhte sich um 4,9 Prozent auf 65,1 Milliarden Franken. Dieser Wert liegt laut ZKB etwas unter der Zuwachsrate von 6,2 Prozent im Jahr 2010 und knapp unter dem Marktwachstum.

Die Bank holte wie bereits 2010 Netto-Neugeld von rund zwölf Milliarden Franken herein. Von Institutionellen Anlegern und Unternehmen stammten 9,5 Milliarden Franken, von Privatpersonen 2,8 Milliarden Franken. In den vergangenen vier Jahren zog die Bank damit Neugelder von 50 Milliarden Franken an.

Die ZKB habe 2012 dank einer kürzlichen Kapitalaufnahme Raum für weiteres organisches Wachstum insbesondere im wichtigen Kreditgeschäft geschaffen. Obwohl die währungsbedingten und konjunkturellen Unsicherheiten gross blieben, erwarte die Bank auch für das laufende Geschäftsjahr ein ansprechendes Resultat.

(cash/Reuters)