Lediglich ein Viertel der Schweizer Privatbanken will einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Buchprüfers KPMG zufolge innerhalb eines Jahres eine Weißgeldstrategie umsetzen. Damit hinkt die Schweiz anderen Vermögensverwaltungszentren hinterher. In Singapur und Hongkong sind bereits zwei Drittel der Institute soweit, in Luxemburg sogar drei Viertel. Bis in fünf Jahren wollen sich insgesamt 70 Prozent der Schweizer Privatbanken vom Geschäft mit Steuerhinterziehern verabschiedet haben. "Eine Weißgeldstrategie ist ein Muss, zumindest für OECD-Länder", erklärte KPMG-Bankenspezialist Daniel Senn.

Gut verdient

Dank des Bankgeheimnisses haben gerade kleinere Schweizer Privatbanken jahrzehntelang an ausländischen Kunden gut verdient, die ihr Geld vor den heimischen Steuerbehörden verbargen. Doch der Druck der USA und europäischer Länder, die Steueroase auszutrocknen, nimmt laufend zu. So klagten die USA kürzlich die älteste Schweizer Bank, Wegelin, wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung an. Eine solche Klage kann für eine Bank existenzbedrohend sein.

"Die Dringlichkeit ist noch nicht ganz in den Köpfen", sagte Senn. "Es ist Zeit zum Handeln." Die meisten Schweizer Privatbanken setzten immer noch auf das bewährte grenzüberschreitende Geschäft. Dies stoße aber wegen der verschärften Regulierung und den steigenden Kosten an Grenzen. Auch eine Präsenz in anderen Ländern sei teuer. Gerade die kleineren Banken müssten sich deshalb auf wenige Länder konzentrieren und aus gewissen Märkten aussteigen. Nur die Schweizer Banken hätten weiterhin globale Ambitionen und wollten in Osteuropa, dem Nahen Osten, Asien und Lateinamerika wachsen. Luxemburg konzentriere sich dagegen auf die EU. Singapur und Hongkong hätten vor allem China, Indien, Indonesien und Philippinen im Auge.

Die Aussagen der KPMG basieren auf Interviews mit 82 Privatbankmanagern, die vor einigen Monaten geführt wurden.

(Reuters)