Felix Zulauf, Hedgefonds-Pionier und Mitglied des renommierten Roundtable der US-Börsenzeitschrift «Barron’s», prognostiziert eine anhaltende Schwäche des Euro. Der Euro werde sich wohl wieder Richtung 1.20 pro Dollar bewegen, sagt er. Und «über 1.40 pro Franken werden wir den Euro für lange, möglicherweise für immer nicht mehr sehen», sagt Zulauf in einem Interview in der Beilage «Derivative Produkte» der «Neuen Zürcher Zeitung».
Der Franken erreichte am Mittwoch, getrieben von Investoren, die sichere Anlagen suchen, mit 1,2972 ein neues Rekordhoch gegen die Einheitswährung. Der Franken hat sich in diesem Jahr im Zug der europäioschen Schuldenkrise etwa 15 Prozent gegen den Euro aufgewertet.
Die Europäische Zentralbank (EZB) werde eine Politik des leichten Geldes für sehr viel länger betreiben, als man dies ursprünglich angenommen habe, weil man sich an den schwächsten Mitgliedern orientieren müsse, sagt Zulauf. «Das führt zu einer strukturellen Schwächung des Euro auf Jahre hinaus.»
Für Zulauf, Eigentümer von Zulauf Asset Management, wäre es das beste, wenn Irland und Griechenland aus der Euro-Zone austräten. «Die einfachste Lösung wäre natürlich, Deutschland würde austreten. Aber dann wäre der Euro erledigt», sagt Zulauf. Die Währung binde die Mitgliedstaaten in eine Geld-, Zins- und Währungspolitik ein, die für einzelne Volkswirtschaften nicht die richtige sei. «Sie ist eine Zwangsjacke, die hoch deflationär ist für Länder wie Griechenland, Spanien, Italien und Portugal.»
Bis Ende Jahr neue Tiefs
Zulauf machte sich 1987 einen Namen, als er als Leiter der institutionellen Vermögensverwaltung der SBG richtigerweise vor dem Börsencrash warnte. 1990 machte er sich selbständig und stieg ins damals noch unbekannte Hedgefonds-Business ein.
Zur zeitgleichen Rally an den Aktienmärkten und den immer tieferen Zinsen am Bondmarkt, der auf ein «deflatorisches Szenario» hinauslaufe, sagt Zulauf: «Ich bin der Meinung, dass der Bondmarkt der bessere Prognostiker ist. Das hat die Vergangenheit oft gezeigt. Die Aktienmärkte werden wohl einknicken, und wir werden bis Ende Jahr wohl neue Jahrestiefs sehen.»
Die Tiefs vom Jahr 2009 würden in diesem Jahr aber nicht unterboten, so Zulauf weiter. Es sei aber möglich, dass einzelne Märkte, vor allem in den USA, nochmals in diesen Bereich zurückfielen, weil dort die Bewertung nach wie vor überzogen sei. «In Europa bezweifle ich das», sagt Zulauf.
«Kaufen und halten» lohnt sich nicht
Zum Anlageverhalten von Investoren rät Zulauf: «In einem solchen Umfeld lohnt sich die Strategie ‹kaufen und halten› nicht. Risikofreudige und -fähige Anleger müssen traden. Konservative Anleger sollten sich einfach auf den Kapitalerhalt konzentrieren. Irgendwann in den nächsten zwei, drei Jahren wird die Situation eintreten, wo die Risiken sehr viel kleiner sind, die Bewertungen wahrscheinlich tiefer und die zukünftige Entwicklung klarer ist.»
Dann könne man Gelder wieder in riskantere Vermögenswerte investieren, sagt Zulauf. «Derzeit ist es zu früh für Aktien.» Wenn man aber einen Zehnjahres-Horizont habe, müsse man unbedingt in Aktien investieren. Obligationen seien auf dem heutigen Niveau uninteressant und sogar gefährlich.
Der Rohstoffsektor hänge dagegen stark mit der Entwicklung in China zusammen, und da gebe es einige Risiken, weil es Signale für eine deutliche Konjunkturabkühlung gebe. Die Preise für Basismetalle und Erdöl lägen derzeit am oberen Ende einer Bandbreite, schätzt der Schweizer Investor die Lage ein.
Korrektur am Goldmarkt möglich
Angesichts des zyklisch deflationären Drucks könne man auch eine Korrektur am Goldmarkt nicht ausschliessen. Zulauf würde derzeit Gold nicht kaufen, langfristig würde er es aber halten und dann zukaufen, wenn es grössere Einbrüche gebe. Er schliesst auch eine Korrektur bis auf 1000 Dollar pro Feinunze nicht aus.
Dass aber auch Experten wie Zulauf nicht von Fehlprognosen gefeit sind, beweist ein Interview, das Felix Zulauf im Februar 2007 gab, als der Swiss Market Index vor dem Ausbruch der Finanzkrise bei 9300 Punktem stand. Zulauf prognostizierte damals den Aktienmärkten zwar einen grösseren Einbruch. «Grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass die Kurse in zwei, drei Jahren deutlich höher stehen als heute.»
