Am Donnerstag und am Freitagmorgen haben sich die Edelmetallpreise wieder etwas stabilisiert. Die Feinunze Gold notiert am Freitagmorgen wieder bei 1592 Dollar. Dies entspricht einem Plus von gut 1,4 Prozent gegenüber Donnerstag.

Auch Silber tendiert deutlich höher. Derzeit wird für eine Feinunze Silber 29,70 Dollar bezahlt. Somit konnte der Silberpreis um gut 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag zulegen. Vor sechs Wochen wurden dafür noch knapp 35 Dollar bezahlt. Das entspricht einem Rückgang von praktisch 20 Prozent. Sowohl Gold wie auch Silber haben am Donnerstag neue Mehrmonattiefs markiert. 

Verlust des "Sicheren-Hafen"-Status'

Händler begründeten diesen massiven Kurssturz damit, dass Gold derzeit nicht mehr einen "Sicheren-Hafen"-Status trage. Viele vor allem kurzfristig orientierte Spekulanten hätten ihr Gold-Engagements vor allem als Gegengewicht und Versicherung bei einer Dollarbaisse gesehen, schrieben die Edelmetall-Analysten von Picard Angst am Donnerstagmorgen. 

Durch den in den letzten Tagen stärker gewordenen "Greenback" wurden die kurzfristigen Positionen umgehend liquidiert, was einen erhöhten Druck auf den Goldpreis ausgeübt hat. Der Euro ist unter die psychologisch wichtige Marke von 1,30 Dollar gefallen, und auch gegenüber dem Franken ist der Dollar massiv stärker geworden. Seit Anfang Dezember wurde der Dollar gegenüber dem Franken um fast fünf Prozent aufgewertet. Mit 95,48 Rappen erreichte er den höchsten Wert seit dem 16. Februar 2011. 

Dollar legt Verschnaufpause ein

Seit dem späteren Donnerstagmorgen legt der Dollar eine Verschnaufpause ein. Gegenüber den wichtigsten Währungen hat die amerikanische Währung an Wert eingebüsst. Der Euro wird wieder knapp über 1,30 Dollar gehandelt, und zum Franken notiert er wieder unter der 95-Rappen-Grenze. 

Für diese Annahme, dass Spekulanten für den Kurssturz verantwortlich waren, spricht einiges: So waren bei den grossen Gold-ETF keine Abzüge zu verzeichnen. Die von Bloomberg am Mittwoch veröffentlichen Daten zeigen: Die Bestände der von der Nachrichtenagentur erfassten Gold-ETF sind sogar auf ein neues Rekordhoch von 2360 Tonnen gestiegen. Offenbar nutzten Schnäppchenjäger die gesunkenen Kurse für weitere Positionen in Gold. 

Für Gold spricht, dass die bis auf Weiteres fortgeführte Tiefzinspolitik der amerikanischen Notenbank die Opportunitätskosten für die Goldlagerhaltung praktisch auf Null senkt. Andererseits bleibt die Frage, wie lange die Anleger Gold als so genannten "safe haven" betrachten.

Was sagen die Banken zur weiteren Goldpreis-Entwicklung? 

UBS
Die UBS hat am Donnerstag ihr Preisziel für Gold revidiert. Der Durchschnittspreis für 2012 wurde von 2075 auf 2050 Dollar zurückgenommen. Gold zählt weiterhin zu den favorisierten Anlagen im Rohstoffsektor. 

VP Bank
Chefökonom Jörg Zeuner rechnet für 2012 bei Gold mit einer Handelsspanne zwischen 1500 und 1800 Dollar. Für höhere Preise sieht er derzeit kaum Potenzial. 

Pictet
Anlagechef Alfred Roelli rechnet bis 2014 mit einem Goldpreis von rund 3000 Dollar.

Picard Angst
Die Rohstoffspezialisten aus Pfäffikon SZ sehen auf längere Frist weiterhin höhere Goldpreise. Sie schreiben in einer aktuellen Analyse, dass erst eine Kursrally über den Widerstand bei 1763,20 Dollar die Lage entspannen würde. 

Citigroup
Das Rohstoffteam von Citigroup geht mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von weiter steigenden Goldpreisen aus. Für 2012 rechnet Citigroup mit einem Preisprognose von 1950 Dollar je Unze. Als Grund geben die Ökonomen an, dass die makroökonomischen und finanziellen Faktoren, die in den letzten drei Jahren für ein steigendes Preisniveau gesorgt hätten, sich in den nächsten 12 bis 18 Monaten nicht ändern würden.