Morgan Stanley hat die Prognose für den Goldpreis im nächsten Jahr um 35 Prozent auf 2.200 Dollar je Unze angehoben, wie einem Bericht vom Donnerstag zu entnehmen war. Darin wird auch mit steigenden Silber-Notierungen gerechnet. Die Prognosen für die Preise von Öl und Kupfer wurden vom Analystenteam um Hussein Allidina indessen herabgesetzt.
“Da Konjunkturnachrichten die Nachfrage im Rohstoffbereich allgemein bedrohen, sind wir mit unserem Engagement im Bereich selektiver geworden”, schrieb Allidina. “Mit Blick ins Jahr 2012 sind Gold und Silber unsere Topwerte bei den Rohstoffen.”
Am Freitag wurde Gold am Kassamarkt zu 1'657,10 Dollar je Unze gehandelt. Das Allzeit-Hoch vom 6. September lag bei 1'921,15 Dollar je Unze. Im dritten Quartal stieg der Goldpreis um 8,2 Prozent und verzeichnete damit den zwölften Drei-Monats- Anstieg in Folge.
Silber notierte nach zwei Tagesanstiegen in Folge 0,9 Prozent leichter bei 31,72 Dollar je Unze. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich das Edelmetall um 44 Prozent verteuert. Das Preisziel von Morgan Stanley für 2012 liegt bei 50 Dollar je Unze.
Rückgang auf 1600 Dollar war "eine gute Korrektur"
“Gold und in deutlich geringerem Maße Silber werden als sichere Häfen für die Geldanlage wahrgenommen und scheinen einer Welt-Reservewährung am nächsten zu kommen”, hieß es in der Analyse der Bank. “In den vergangenen Rezessionen hat sich Gold am robustesten erwiesen."
Beim Rückgang des Goldpreises auf 1'600 Dollar je Unze handelt es sich nach Einschätzung der Threadneedle Asset Management um eine “gute Korrektur”. Die langfristige Fundamentalsituation bleibe stark, da Zentralbanken und Anleger ihre Portfolios weiterhin durch Goldkäufe diversifizierten.
“Längerfristig sehen wir den Goldpreis weiterhin optimistisch”, sagte David Donora, Manager des wichtigsten Rohstoff-Fonds bei Threadneedle. “Wir haben die Korrektur zurück zu 1'600 Dollar als eine gute Korrektur betrachtet.” Threadneedle in London verwaltet ein Anlagekapital von 110 Mrd. Dollar, das unter anderem in Aktien, Bonds und Immobilien angelegt ist.
Gold-Bullenmarkt so lange wie seit 1920 nicht mehr
Der Goldpreis geht dem elften Jahresanstieg in Folge entgehen. Einen so langen Bullenmarkt gab es im Londoner Handel seit mindestens 1920 nicht mehr. Hintergrund der Aufwärtsbewegung ist das Bestreben von Anlegern, ihr Vermögen weg von Aktien und einigen Währungen zu diversifizieren. Das Edelmetall hat mit seiner Wertsteigerung Aktien, Rohstoffe und Staatsanleihen überflügelt, auch wenn der Goldpreis seit dem Allzeit-Hoch vom vergangenen Monat um 15 Prozent nachgegeben hat.
“Die langfristigen Fundamentaldaten für Gold werden weiterhin stark sein, da die Schwellenländern ihre Reserven nach wie vor durch den Zusatz von Gold diversifizieren. Auch Kleinanleger und Kapitalpools sind weiter bestrebt, ihre Portfolios zu diversifizieren”, erklärte Donora. “Angesichts dieser beiden Bewegungen rechnen wir weiterhin mit einer fortgesetzt starken Goldnachfrage.”
Zentralbanken bauen Goldbestände wieder aus
Die Zentralbanken bauen ihre Goldbestände erstmals seit einer Generation aus. Im August haben Thailand, Bolivien und Tadschikistan ihre Goldreserven erweitert, wie auf der Internetseite des Internationalen Währungsfonds zu erfahren ist. Die Goldbestände börsennotierter Goldfonds erreichten am 8. August das Rekordvolumen von 2'299,8 Tonnen.
Am Kassamarkt lag der Goldpreis am Mittwochvormittag bei 1'605,90 Dollar je Unze und damit 1,1 Prozent niedriger als am Vorabend. Am 6. September hatte er das Rekordhoch von 1'921,15 Dollar je Unze erreicht.
Der Threadneedle Enhanced Commodities Fund kam in den zwölf Monaten bis 28. September auf einen Ertrag von 12,5 Prozent. Damit hat er sich nach Angaben Donoras stärker entwickelt als der DJ-UBS Index Total Return, der als Benchmark dient.
(Bloomberg)

