Die Aktien von Swatch Group und Richemont konnten sich in den vergangenen zwei Wochen von ihren Jahrestiefstständen nach oben lösen. Wird das Handelsgeschehen an den Aktienmärkten noch immer von Rezessionsängsten bestimmt, sind es im Luxusgütersektor bestenfalls Wachstumsängste. China werde es schon richten, so heisst es.
Diesen Standpunkt vertritt auch der Verfasser einer am Donnerstag erschienenen Studie von HSBC zur weltweiten Luxusgüterindustrie. Schon in der Vergangenheit machte der Experte mit seiner geradezu euphorischen Haltung hinsichtlich der zukünftigen Wachstumsaussichten von sich reden.
Der Verfasser der Studie kann die Wachstumsängste des Marktes nicht teilen und rechnet auch in Zukunft mit einer anhaltend starken Nachfrage aus China. Letztere beschränke sich dank chinesischen Reisenden nicht nur mehr auf den Heimmarkt und stütze so das Absatzwachstum weltweit.
Anders als bisher geht der Experte in Nordamerika und Europa von einem Nachfragerückgang aus. Über die kommenden 12 Monate werde sich der Absatz in den USA um 10 Prozent und in Europa um zwischen 5 und 10 Prozent zurückbilden. Unter Ausklammerung von Japan werde der Absatz in Asien in dieser Zeitspanne aber um mehr als 20 Prozent zulegen.
Zu den Schlüsselempfehlungen im weltweiten Luxusgütersektor zählt HSBC nicht nur die mit «Overweight» und einem Kursziel von 58 Franken eingestuften Inhaberaktien von Richemont, sondern auch die mit «Overweight» und einem Kursziel von neu 430 (450) Franken empfohlenen Inhaberaktien des Erzrivalen Swatch Group. Der Studienverfasser stützt sich dabei auf den vergleichsweise hohen Ergebnisbeitrag der beiden Unternehmen aus China und seitens chinesischer Reisender ab.
Dass der für HSBC tätige Experte mittlerweile von seinen extrem euphorischen Wachstumserwartungen für die weltweite Luxusgüterindustrie zurückkrebsen musste, erfüllt mich mit einer gewissen Genugtuung. Aus seiner Feder habe ich schon eine ganze Weile nicht mehr vom Beginn einer neuen Ära gelesen - auch in der heutigen Studie nicht.
Die Erwartungshaltung des Marktes dürfte heute generell etwas nüchterner sein als dies noch vor wenigen Monaten der Fall war. Bei den beiden Westschweizer Luxusgüterherstellern wird den überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten mit dem massiven Bewertungsaufschlag zum Gesamtmarkt aber bereits Rechnung getragen.
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Die Genussscheine von Roche werden am Donnerstag vom Markt für eine schwächer als erwartete Umsatzentwicklung mit einem Kurseinbruch abgestraft. Aus dem Berufshandel höre ich von aggressiven Verkäufen aus dem Lager institutioneller Grossinvestoren.
Gleich bei allen drei umsatzstärksten Medikamenten blieb der Absatz hinter den Konsensschätzungen zurück. Bei Avastin wurden die Markterwartungen um 5 Prozent, bei Rituxan und Herceptin hingegen um 2 und 7 Prozent verfehlt.
Ich will nichts beschönigen: Die Absatzentwicklung im Kerngeschäft mit Krebsmedikamenten blieb klar hinter den Konsensschätzungen zurück. Dies aber nicht zuletzt deshalb, weil sich der starke Franken stärker als von Analysten befürchtet im Umsatz niederschlug.
Ausserdem kommt die Umsatzenttäuschung nicht überraschend, hatten die Spatzen eine solche doch schon in den vergangenen Handelstagen von den Dächern gepfiffen.
Für mich nicht nachvollziehbar ist ein verteidigender Kommentar aus dem Hause Merrill Lynch. Darin will der in angelsächsischen Kreisen viel beachtete Experte nur von einer marginalen Enttäuschung wissen. Zudem hätten sich die Schlüsselprodukte in den ersten neun Monaten gut entwickelt. Diese beiden Ansichten kann ich beim besten Willen nicht teilen. Allerdings ist es in meinen Augen denn auch vor allem das vom Markt unterschätzte Kosteneinsparpotenzial, welches bei Roche meiner Meinung nach für weitere Ergebnisverbesserungen spricht.
Mal schauen, ob Merrill Lynch im Anschluss an die seit 14 Uhr unserer Zeit laufenden Analystenkonferenz an der «Buy» lautenden Anlageempfehlung oder am Kursziel von 170 Franken für die Bons von Roche Anpassungen vornehmen wird.

