Nach der verheerenden Panne vom Donnerstag hat die Schweizer Börse am Freitag den Handel planmässig um 9.00 Uhr wieder aufgenommen. «Der Fehler ist erkannt und behoben», sagt ein Sprecher des Börsenbetreibers SIX.

Am Donnerstag um 16.30 Uhr brach die Schweizer Börse SIX die Übung ab. Der gestellte Kurs des SMI blieb der von 14.42 Uhr: 6356 Punkte, minus 0,3 Prozent. 

Da war das Handelssystem einfach stehen geblieben, wie ein SIX-Sprecher sagte. Später hiess es dann auf der SIX-Homepage: «Das Problem ist identifiziert. Es wurde beschlossen, den börslichen Handel vorzeitig einzustellen. Der ausserbörsliche Handel ist möglich.»

Forderungen für Schadensersatz sind chancenlos

Ein Ärger für die handeltreibenden Banken, denen Courtagen entgehen, und noch mehr ein Imageschaden für die die Schweizer Börse. Der SIX-Sprecher wollte den Eingang entsprechender Schadensersatzforderungen nicht bestätigten. Solche Forderungen seien allerdings auch chancenlos, da sich die Schweizer Börse in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen dagegen abgesichert habe.

Das elektronische Handelssystem der SIX ist der Herzschlag für den Transaktionsmarkt von Aktien, Optionen, Obligationen im Wert von täglich Milliarden von Franken. Wenn da die Schirme in den Trading-Floors der Marktteilnehmer plötzlich schwarz bleiben, kommt dies einem Herzinfarkt des Schweizer Kapitalmarkts gleich.

Vor zehn Jahren endete eine Pannenserie im Blackout

Pannen an den Börsen kommen aber immer wieder vor. Pikanterweise erlitt die Schweizer Börse auf den Tag genau vor zehn Jahren einen ähnlichen Systemzusammenbruch. Damals ging schon am Vormittag gar nichts mehr.

Es war der Schlusspunkt einer Pannenserie. Denn im Herbst 1999 war es zuvor bereits zu zwei Pannen gekommen, die aber relativ schnell hatten behoben werden können.

Damals schüttete insbesondere die englische Finanzpresse Spott und Hohn über die SWX aus: Sie habe dem Image der Schweiz als ein Land, das mit Uhrwerkpräzision laufe, einen Streich gespielt.

Ähnliche Erfahrungen in Japan

Von einer Schande sprachen japanische Fondsmanager, als im Januar 2006 in Tokio die Stock Exchange einen Beinahe-Zusammenbruch erlitt. Auslöser war eine Verkaufswelle gewesen.

Der Imageschaden war beträchtlich, das Management des zweitgrössten Handelsplatzes der Welt habe die Systeme technisch nicht auf dem höchsten Stand gehalten.

Die SIX bezeichnet sich als eine der «technologisch führenden Börsen der Welt». Aber vor Pannen ist offenbar auch sie nicht sicher.