An der Börse hat man in den letzten 20 Jahren, wenn überhaupt, eigentlich nur im Winterhalbjahr Geld verdient. Seit 1989 ist der SMI von November bis April jeweils um 8 Prozent gestiegen. Dagegen hat man in den Monaten Mai bis Oktober mit einem Plus von 0,9 Prozent fast nichts verdient. Das zeigen Berechnungen der Bank Julius Bär.
Tax Loss Selling, Window Dressing und Versicherungsprämien
Die Winter-Outperformance hat mehrere Gründe. In Amerika verkaufen Anleger bis Ende Oktober Aktien, mit denen sie Kapitalverluste eingefahren haben. So realisierte Verluste können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden; man spricht von Tax Loss Selling. Danach werden die gleichen Aktien wieder gekauft, was tendenziell für steigende Kurse sorgen kann.
Dazu kommt Window Dressing: Institutionelle Anleger verkaufen Aktien mit schlechter Performance vor dem Jahresende, um unangenehme Fragen zu vermeiden, wenn Kunden den Depotauszug erhalten. Anfang Jahr werden die Titel wieder gekauft.
Und bei Versicherungen werden Anfang Jahr vermehrt Prämien fällig, die angelegt werden müssen und so die Börsenkurse in die Höhe treiben können.
Neue Kulturen weichen Schema auf
Aufgeweicht wurden diese Effekte aber durch den Eintritt nicht-europäischer Staaten in die globale Investment-Gemeinschaft, etwa aus Asien. Hier spielt der Jahreswechsel Ende Dezember nicht die gleiche Rolle wie in der westlichen Welt und Portfolio-Anpassungen können auch zu einem anderen Zeitpunkt vorgenommen werden.
Dagegen ist in den letzten Jahren vermehrt zu beobachten gewesen, dass Analysten ihre Gewinnschätzungen fürs das folgende Jahr oft erst im September oder Oktober tätigen. Das kann im Winterhalbjahr ebenfalls für Volatilität sorgen – im Fall von Erhöhungen für steigende Kurse.
«Der Wintereffekt wurde zwar aufgeweicht. Das Winterhalbjahr scheint aber immer noch besser als das Sommersemester zu sein», sagt Christian Gattiker von der Bank Julius Bär.
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