Allein die Credit Suisse, Barclays und Royal Bank of Scotland haben in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 6500 Mitarbeiter in ihren Investmentbankensparten eingestellt. «Jetzt, wo die Erlöse im Handel einbrechen, gibt es einen Einstellungsstopp», erklärt John Purcell, geschäftsführender Direktor bei der Personalvermittlung Purcell & Co. in London. «Ich wäre nicht überrascht, wenn Händler wieder entlassen würden.»

Vergangene Woche gab Barclays einen Einbruch von 40 Prozent bei den Erlösen im Handel mit Anleihen und Rohstoffen in der ersten Jahreshälfte bekannt. Bei den Investmentbanken von der Deutschen Bank bis hin zu Goldman Sachs ist der Handel die stärkste Erlösquelle.

Der Rückgang ist ein Gegenbild zum vergangenen Jahr, als die Banken Rekord-Erlöse im Handel einfuhren, indem sie billig Geld bei den Zentralbanken borgten und dies in höher rentierliche Staatsanleihen investierten. Entsprechend stellten die Banken wieder Mitarbeiter ein, nachdem sie zuvor im Gefolge der Finanzkrise zahlreiche Stellen abgebaut hatten.

Emissionsgeschäft regelrecht eingebrochen

Dieses Jahr führte die staatliche Schuldenkrise in Europa dann zu Kurseinbrüchen bei Anleihen aus Portugal, Griechenland und Spanien. Das machte den Handel weniger einträglich und sorgte bei den Investoren für eine grössere Vorsicht gegenüber dem Risiko. Gleichzeitig gingen die Erlöse aus der Fusionsberatung und dem Konsortialgeschäft mit Aktien zurück.

In Westeuropa fanden im zweiten Quartal 9 Prozent weniger Fusionen statt als im ersten Quartal, das Volumen von Aktienemissionen in Europa sackte laut Bloomberg-Daten um 27 Prozent ab. Insgesamt gingen die Erlöse im Investmentbanking in Westeuropa für die erste Jahreshälfte um 23 Prozent zurück, zeigen Daten des Analyseunternehmens Freeman & Co. in New York.

«Derzeit ist das Marktumfeld für Investmentbanken schwierig», weiß Analyst Christopher Wheeler von Mediobanca Securities in London. «Es werden weniger Aktien auf den Markt gebracht, und die Anleiheemissionen sind im zweiten Quartal regelrecht eingebrochen. Ein Einstellungsstopp wäre nichts Ungewöhnliches.»

Stellenabbau bereits angekündigt

Barclays hatte in den zwölf Monaten bis Ende Juni 3600 neue Mitarbeiter angeworben. Bei Credit Suisse waren es 1800 und bei der Investmentbankensparte der RBS 1100. Die UBS hat laut Vorstandschef Oswald Grübel in den zwölf Monaten bis März 350 Händler für festverzinsliche Werte eingestellt.

Credit Suisse gab am 11. August bekannt, 75 Stellen in Großbritannien abzubauen. Barclays Capital will laut informierten Kreisen die Zahl der Mitarbeiter in der Verwaltung um 300 reduzieren. «Wir verhalten uns weiterhin proaktiv und beobachten den Umfang unserer Geschäftsbereiche im Verhältnis zu den Geschäftsmöglichkeiten und den Marktbedingungen», erklärte die Credit Suisse am 11. August. Die Investmentbankensparte der RBS stelle umsichtig und den Marktbedingungen entsprechend ein, schrieb Sprecher Piers Townsend in einer E-Mail.

Kein garantierter Bonus mehr

Die gestiegenen Vergütungskosten haben die Banken bereits vorsichtiger bei ihren Einstellungen werden lassen. «Eine ganze Reihe der geplanten Einstellungen ist vom Management nicht genehmigt worden, insbesondere die, bei denen ein Bonus garantiert werden sollte», konstatiert Jason Kennedy, Vorstandschef der Personalberatung Kennedy Group in London.

«Sie sagen: Tut uns leid, mit garantierten Boni wird derzeit nicht eingestellt, nur mit Basisgehalt.» Für die Mitarbeiter bedeutet das schmerzhafte Einschnitte: Konnte ein Banker früher zwischen einer Million Pfund und 3 Millionen Pfund an garantierter Vergütung erwarten, wird derzeit nur ein Grundgehalt von 200.000 Pfund bis 300.000 Pfund geboten.

(Bloomberg)