Fest steht dagegen: vor dem Monatsultimo wird sich die Notenbank nicht bewegen. Frühestens im März könnte eine Zinssenkung auf der Agenda stehen - doch auch das wird unwahrscheinlicher.
Der Reihe nach: Die EZB muss im Februar abwarten, wie ihr zweites mit viel Spannung erwartetes auf drei Jahre angelegtes Refinanzierungsgeschäft mit den Banken läuft, das am 29. Februar über die Bühne geht. Dass die kurz vor Weihnachten applizierte erste Liquiditätsspritze ein Erfolg war und eine europaweite Kreditklemme verhindert hat, pfeifen viele Spatzen mittlerweile von den Dächern.
Um so aufschlussreicher wird es sein, wie viel Geld sich die Banken in dreieinhalb Wochen bei der EZB pumpen. Die Schätzungen schwanken zwischen 200 Milliarden und einer Billion Euro. Die halbe Billion, die die Institute jüngst in Frankfurt abholten, scheint jedenfalls fürs erste zu wirken.
Für die EZB heißt es also zunächst einmal: abwarten. An der Zinsschraube kann Zentralbank-Chef Mario Draghi am Donnerstag kaum drehen. Erstens, weil er die Finanzwelt darauf überhaupt nicht vorbereitet hat und deshalb auf dem falschen Fuß erwischen würde. Zweitens, weil sich Stimmung und Lage zuletzt deutlich spürbar verbessert haben - sowohl was die Vertrauenskrise unter den Banken und an den Märkten angeht, als auch mit Blick auf die Konjunktur.
Draghi wird sich alle Optionen offenhalten
Und drittens, weil eben noch gar nicht alle Anfang Dezember beschlossenen Krisenmaßnahmen in Kraft getreten sein werden, wenn sich der EZB-Rat zu seiner monatlichen Zinssitzung trifft. Auch die Halbierung der Mindestreserve zu Mitte Januar, eine effektive Maßnahme, die gut 100 Milliarden Euro freisetzte, braucht Zeit zu wirken. Gut Ding will eben Weile haben.
Bei der Pressekonferenz nach der Ratssitzung wird sich Draghi deshalb alle Optionen offenhalten (müssen). Eine von vielen Ökonomen für März teils erhoffte, teils geforderte erste Zinssenkung unter die magische Grenze von einem Prozent, bleibt damit zwar im Bereich des Möglichen.
Allerdings: "Die Latte für weitere Zinssenkungen scheint doch hoch zu liegen", erklärt Commerzbank-Ökonom Michael Schubert. Zahlreiche Ratsmitglieder, darunter Bundesbank-Chef Jens Weidmann, seine Amtskollegen aus Österreich und Luxemburg, Ewald Nowotny und Yves Mersch, sowie der neue Chefökonom der EZB, der Belgier Peter Praet, äußerten sich zuletzt mit Blick auf die Konjunktur eher optimistisch. Da war von einer "allmählichen Stabilisierung" die Rede oder von einer allenfalls "leichten Rezession" in diesem Winterhalbjahr.
Ökonomen führen zudem ein weiteres Argument ins Feld, warum die EZB beim Thema Zinssenkungen auf der Bremse stehen dürfte. Zuletzt sind nämlich die längerfristigen Inflationserwartungen für die Euro-Zone merklich gestiegen. Dies dürfte sich auch in der vierteljährlichen Umfrage der EZB bei den professionellen Beobachtern der Geldpolitik zeigen.
"Survey of professional Forecasters"
Das "Survey of professional forecasters" wird ebenfalls an diesem Donnerstag publik gemacht. Commerzbanker Schubert erwartet, dass die Inflationserwartungen in etwa auf dem Niveau des Juli 2008 liegen könnten, als die EZB ihren Leitzins von vier auf 4,25 Prozent anhob. "Auch diese Entwicklung dürfte die Bereitschaft des EZB-Rats zu weiteren expansiven Maßnahmen bremsen."
Sollte nicht in den kommenden Tagen überraschend eine Lösung gefunden werden, dürfte ein anderes Thema die Pressekonferenz Draghis dominieren: eine finanzielle Beteiligung der EZB an einer Umschuldung Griechenlands. Michala Marcusson, Analystin bei der französischen Großbank Societe Generale, zweifelt allerdings nach wie vor daran, dass die bereit sein wird, beim Schuldenschnitt mitzumachen, um sich nicht dem Vorwurf aussetzen zu müssen, sie betreibe verbotene Staatsfinanzierung. "Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass die EZB ihre griechischen Bonds zum Beispiel an den Rettungsfonds EFSF gibt. Wir erachten dies aber nach wie vor als unwahrscheinlich."
Klar ist: Die EZB könnte helfen, wenn sie wollte. Immerhin hat sie für ihre Hellas-Anleihen mit einem Nennwert von etwa 50 Milliarden Euro dem Vernehmen nach nur 38 Milliarden bezahlt. Sie könnte also Athen zwölf Milliarden Euro überweisen - ohne eigene Verluste. Ob das allerdings reicht, wenn man nach wie vor eine Vertrauenskrise am Anleihemarkt unterstellt, ist fraglich.
Michael Rottmann, Anleiheexperte bei der italienischen Großbank Unicredit: "Sollte die EZB darauf bestehen, dass sie 100 Prozent ihres Einsatzes für die Papiere auch wieder zurückbekommt, käme die Diskussion über den künftigen Appetit privater Gläubiger auf südeuropäische Staatsanleihen wieder hoch." EZB-Chef Draghi weiß genau, welche Katastrophe ein Käuferstreik wäre.
(Reuters)
