Die Swatchh Group sorgt heute Dienstag gleich in zweifacher Hinsicht für erstaunte Gesichter: Zum einen wartet der Westschweizer Luxusgüterhersteller mit der Ergebnisveröffentlichung einmal mehr früher  als angekündigt auf. Zum anderen liegt das für die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2012 veröffentlichte Ergebnis auf den Stufen EBIT und Reingewinn über den jeweiligen Konsensschätzungen. Dies dank einer höher als erwarteten Kapazitätsauslastung im Geschäft mit Uhrwerken und Komponenten.

Auf Basis des vorliegenden Zahlenmaterials müssen die diesjährigen Konsensschätzungen für die Swatch Group voraussichtlich um 3 bis 6 Prozent nach oben angepasst werden.

Wie mir aus dem Berufshandel berichtet wird, erwischten die Westschweizer einige prominente Marktteilnehmer eiskalt auf dem falschen Fuss. Dies würde auch erklären, wieso das Handelsgeschehen bis zum frühen Nachmittag vorwiegend von Deckungskäufen bestimmt wird.

Der heutige Ergebnisausweis ist allerdings nicht nur von Licht, sondern auch von Schatten geprägt. So berichten die Firmenverantwortlichen erstmals von einer Nachfrageabschwächung in China und Hong Kong. Davon betroffen scheint vor allem das margenstarke Hochpreissegment. Die  Ergebnisüberraschung kann deshalb die Angst vor einer zukünftigen Wachstumsflaute bei der Swatch Group nicht dämpfen.

Auf Kritik stossen in Analystenkreisen auch die hohen Lagerbestände und der im Jahresvergleich noch einmal deutlich prononciertere Cash-Drain.

Es mag einige meiner regelmässigen Leserinnen und Leser ermüden, dass ich bei meiner vorsichtigen Haltung für die beiden grossen Westschweizer Luxusgüterhersteller bleibe. An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass die Namenaktien der Swatch Group noch immer mit einem meines Erachtens nicht gerechtfertigten Bewertungsabschlag von gut 12 Prozent zu den Inhaberaktien gehandelt werden. Mit ersteren hat man als Aktionär erst noch das Fünffache an Stimmrecht.

***

Schon seit Wochen klettern die Namenaktien von Novartis kontinuierlich nach oben. Noch immer wird mir von grösseren angelsächsischen Kaufaufträgen im europäischen Pharmasektor berichtet. Es macht beinahe den Anschein, als ob amerikanische Grossinvestoren diese lange Zeit arg vernachlässigte Branche wieder entdeckt hätten.

Doch auch das vergangene Woche von Novartis für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2012 veröffentlichte Ergebnis kann sich sehen lassen. Dank den beiden noch jungen Produkten Afinitor und Gilenya war es den Baslern im Pharmageschäft entgegen anders lautenden Erwartungen sogar möglich die Margen um 100 Basispunkte zu steigern.

In diesem Zusammenhang schlägt Nomura in einem Kommentar vehement verteidigende Töne an. Der für das Bankinstitut verantwortliche Experte hält das Umsatzpotenzial von Afinitor insbesondere auf dem Gebiet der Brustkrebsbehandlung für vom Markt unterschätzt. Mit seinen bei 2 Milliarden Dollar liegenden Umsatzschätzungen liegt er deshalb deutlich über den Annahmen vieler seiner Berufskollegen.

Dasselbe gilt für die MS-Pille Gilenya, für welche der Experte ab dem Jahr 2016 mit einem Jahresumsatz von 3,5 Milliarden Dollar rechnet. Entsprechende Konsensschätzungen liegen derzeit gerademal bei 2,1 Milliarden Dollar.

Dieser Umstand spiegelt sich auch in der Kaufempfehlung sowie im 65 Franken lautenden Kursziel für die Aktien von Novartis wider.

Die US-Marktzulassung für Afinitor vom Freitag kommt meines Erachtens zwar nicht völlig überraschend. Bei der Zulassung handelt es sich dennoch um einen wichtigen Meilenstein für die Basler. Ausserdem darf das Quartalsergebnis von vergangener Woche durchaus als ermutigend bezeichnet werden. Dank den beiden noch jungen Medikamenten Gilenya und Afinitor sollte der Umsatzzerfall bei Diovan in der zweiten Jahreshälfte mehr als wettgemacht werden können. Ich rechne bei den Novartis-Aktien deshalb weiterhin mit Aufwind.

***

Die Namenaktien von ABB haben in den vergangenen Monaten ihren Status als Börsenliebling weitestgehend eingebüsst. Die Angst vor einer weiteren Enttäuschung anlässlich der Quartalsergebnispräsentation vom kommenden Donnerstag sitzt tief.

Dies nicht ohne Grund, blieb die Ertragsentwicklung in den vorangegangenen zwei Quartalen doch hinter den jeweiligen Konsensschätzungen zurück. Und auch die Aussagen der Firmenverantwortlichen fielen zuletzt vorsichtiger als zuvor aus.

In einem Ausblick auf die anstehende Ergebnispräsentation schlägt der für die Citigroup tätige Verfasser nun erstmals wieder positivere Töne an. Der Experte glaubt, dass ABB sich im zurückliegenden zweiten Quartal besser als die meisten anderen europäischen Mitbewerber behaupten konnte. Zudem hält er die Konsensschätzungen mittlerweile für sehr konservativ. Dadurch sieht der Experte bei den mit einem Kursziel von 22 Franken zum Kauf empfohlenen Aktien Aufwärtspotenzial.

Je nachdem wie die Geschäftsentwicklung und der Ausblick am kommenden Donnerstag ausfallen, bieten sich bei den Papieren von ABB möglicherweise erstmals wieder Kaufgelegenheiten.