Gerade einmal zwei Wochen nachdem Larry Hatheway die Investoren zur “Vorsicht” ermahnte, hob der Chefökonom bei der UBS in einer “Falsch, aber nicht zu spät” überschriebenen Notiz an Kunden seine Empfehlungen für Aktien weltweit und für Hochzins-Anleihen am 23. Januar an.
Statt mit “neutral” stuft er Aktien jetzt mit “overweight” ein. Sowohl die Aufhellung der Konjunkturdaten in den USA als auch “die Zinswende in den Schwellenländern werden einige der Sorgen, die die Leute hatten, dämpfen”, sagte Hatheway am 31. Januar in einem Interview.
Royal Bank of Scotland und Benoit Anne, Leiter Schwellenmarkt-Strategie weltweit bei Société Générale, gaben zu, dass ihre Vorhersagen für die Emerging Markets sich als falsch erwiesen haben. “Ich habe zu lange an meiner defensiven Einstellung festgehalten”, sagte Anne.
Alle auf Pessimismus fixiert
Der MSCI All-Country World Index kletterte im Januar 5,7 Prozent und überraschte damit die Strategen bei Bank of America, Goldman Sachs und Barclays, die wegen der europäischen Schuldenkrise für das erste Halbjahr mit Kursverlusten gerechnet hatten. JPMorgan Chase & Co. und Citigroup, die die Rally an den Aktienmärkten kommen sahen, gehen davon aus, dass sie sich - angeschoben von einer Erholung des US-Immobilienmarktes und einer gelockerten Kreditvergabe in China - fortsetzen wird.
“Im Rückblick waren am Jahresende alle sowas von auf Pessimismus fixiert”, erläuterte Mary Ann Bartels, Leiterin technische und Marktanalyse bei Bank of America in New York. Sie hatte am 27. Dezember dem Standard & Poor’s 500 Index Verluste von etwa 15 Prozent für das erste Halbjahr vorhergesagt. Am 31. Januar sagte sie im Telefoninterview: “Eigentlich konnte der Markt nur nach oben gehen.”
Das Vertrauen der Anleger wurde gestärkt, als die Europäische Zentralbank ihr dreijähriges Kreditprogramm für Banken ankündigte und als die Federal Reserve bekanntgab, dass sie die Niedrigzinsen mindestens bis 2014 beibehalten will.
Währungen von Schwellenländern im Hoch
Während der MSCI All-Country Index, der Aktien in 45 Industrie- und Schwellenländern abbildet, nach Bloomberg-Daten in diesem Jahr den stärksten Januar seit 1994 erlebte, stieg ein von Bank of America erstellter Index für Hochzins- und Emerging Markets-Anleihen um 3,1 Prozent.
Die indische Rupie, der brasilianische Real, der mexikanische Peso und der ungarische Forint - sie alle gewannen im Januar gegenüber dem Dollar um über 7 Prozent an Wert, in einem Monat, in dem Investoren etwa 7,7 Mrd. Dollar in Fonds steckten, die sich an den Aktienmärkten der Schwellenländer engagieren.
“Die meisten Leute hatten sich für ziemlich schwache Märkte positioniert, auf eine Fortsetzung des Vorjahres”, sagte Timothy Tim Ash, Leiter Marktresearch und Strategie bei RBS, in einem Telefoninterview am 30. Januar.
Rally dürfte sich fortsetzen
Der Stratege aus London hatte einen “schwierigen” Jahresbeginn erwartet und erst gegen die Jahresmitte mit einer Rally für die Aktienmärkte der Schwellenländer gerechnet. In einer Notiz, die das Datum 27. Januar trägt, räumte er ein, dass er in seiner vorangegangenen Prognose mit dem Zeitpunkt der Rally falsch lag. Er rechnet jetzt damit, dass sie sich fortsetzt.
Jede Schwächephase an den Börsen der Schwellenmärkte sollte als Kaufgelegenheit genutzt werden, sagte Geoffrey Dennis, Aktienstratege Emerging Markets bei Citigroup, am 30. Januar in einem Telefoninterview. Der Stratege aus New York erwartet, dass der MSCI Emerging Markets Index in diesem Jahr etwa 20 Prozent klettern wird, auf 1.225.
“Wir sind überzeugt, dass Europa dieses Jahr überstehen wird, die Weltkonjunktur läuft und die nächste gute Nachricht, die zu erwarten ist, könnte die erneute Senkung der Mindesteinlagepflicht für chinesische Banken sein, die jeden Augenblick kommen kann”, sagte Dennis am 30. Januar.
(Bloomberg)

