Es ist anzunehmen, dass in diesem Fall Irland und Portugal das gleiche Schicksal ereilen wird, da Investoren die Bonds aller drei Länder abstoßen und die Wähler sich den harten Sparprogrammen widersetzen.
“Griechenland wird 2013 oder vielleicht auch früher umschulden”, sagte Marie-Anne Allier, Leiterin Euro-Aggregate Group bei Europas drittgrößtem Vermögensverwalter Amundi Asset Management in Paris. “Und wenn Griechenland umschuldet, wird es für Irland und Portugal sehr schwierig, ein sehr striktes Sparprogramm durchzuführen und nicht umzuschulden - es ist ein Domino-Effekt”, erläuterte sie.
Die Spitzenpolitiker der Europäischen Union haben sich am 25. März darauf verständigt den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) zu schaffen, der ab Mitte 2013 als permanenter Rettungsschirm unter strengen Konditionen Kredite an angeschlagene Staaten vergeben kann. ESM-Kredite sollen bei Zahlungsproblemen zuerst bedient werden, vor privaten Gläubigern der Staatsanleihen, fordert Deutschland. Gläubiger haben damit ein Risiko, sollte ein Land der Eurozone Zahlungen auf seine Anleihen einstellen oder verschieben, stellte die Ratingagentur Moody’s Investors Service in der vergangenen Woche dazu fest.
Investoren spekulieren auf vorzeitige Umschuldung
Das ESM-Modell hat Standard & Poor’s am 29. März veranlasst, die Bonitätsnoten von Griechenland und Irland zu senken. Diese Länder müssten womöglich ihre Schulden restrukturieren, um Kredite des ESM erhalten zu können, teilte S&P zur Begründung mit.
“Deutschland besteht darauf, dass seine ESM-Darlehen bei einem Zahlungsausfall nach 2013 vor den gewöhnlichen Staatsanleihen bedient werden. Das macht diese Zahlungsausfälle wahrscheinlicher”, sagte Simon Smith, Chef-Ökonom bei FXPro Financial Services in London. “Wenn Sie ein Anleiheportfolio verwalten und bei einer griechischen Umschuldung Federn lassen müssen, dann werden Sie wohl auch ihre Positionen in Portugal- und Irland-Anleihen zurückfahren”, führte er aus.
Kreditausfall-Swaps auf Portugal sind nach Daten der Londoner CMA Anfang April mit 568 Basispunkten gehandelt worden. Dies impliziert eine Wahrscheinlichkeit von 39,4 Prozent, dass es innerhalb von fünf Jahren zu einem Zahlungsausfall auf Staatsanleihen kommt. Die Ausfallversicherungen für Griechenland-Bonds kosten 986 Basispunkte - die Wahrscheinlichkeit für einen Zahlungsausfall wird hier bei 57,4 Prozent gesehen. Die Risikoprämie der 2-jährigen griechischen Papiere liegt seit dem 27. Januar höher als die der 10-jährigen Anleihen - Investoren spekulieren darauf, dass eine Umschuldung stattfinden wird, noch bevor das über drei Jahre laufende Hilfsprogramm für das Land auslaufen wird.
"Alle drei Länder werden umschulden müssen"
Der Risikoaufschlag der 10-jährigen Portugal-Anleihen gegenüber den deutschen Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit hat sich seit Jahresanfang von 364 Basispunkten auf 514 Basispunkte ausgeweitet. Bei den 2-jährigen portugiesischen Staatspapieren lag die Rendite vergangene Woche erstmals seit 2006 höher als bei den 10-jährigen Staatsanleihen. Investoren haben ihre Wetten erhöht, dass es zu einem Zahlungsausfall kommt, auch wenn das Land ein Rettungsprogramm in Anspruch nehmen würde.
Portugiesische Papiere mit Laufzeiten von einem bis drei Jahren brachten den Investoren dieses Jahr Verluste von 4,5 Prozent, irische Anleihen verloren 4,1 Prozent, griechische Papiere waren kaum verändert, zeigen Indizes von Bloomberg und dem Analystenverband European Federation of Financial Analysts Societies.
“Alle drei Länder werden auf die eine oder andere Weise wahrscheinlich umschulden”, sagte Alex Johnson, Leiter Portfolio Management bei Fischer Francis Trees & Watts in London. Unter Umschuldung sei eine Reduzierung des Kupons und eine Verlängerung der Laufzeit zu verstehen, ergänzte er. Im Falle Griechenlands sei auch möglich, dass der Nominalbetrag bei der Rückzahlung gekürzt werde, so Johnson.
“Die Reaktion an den Märkten zeigt, dass dort keine Lösung für die Probleme in diesen Länder gesehen wird”, sagte Nicola Marinelli, Fondsmanager bei Glendevon King Asset Management in London. “Die Entscheidung zwischen Zahlungsausfall und Sparprogramm ist eine Strategie, bei der es nur Verlierer gibt. Die politisch Verantwortlichen in der Eurozone denken, es ist besser abzuwarten, was passiert. Aber die Märkte hassen Unsicherheit”, betonte Marinelli.
(Bloomberg)
