Der Kurs des Euro ist am Dienstag weiter gefallen: Kurz vor 17 Uhr unterschritt er erstmals die Marke von 1,32 Franken und fiel bis auf ein vorläufiges Tief von 1,3194. 

Die Kursverluste des Euro gegen den Franken hahtten sich am Montag kurzfristig beschleunigt, nachdem der technische Widerstand bei 1.3400 gefallen sei, wie Händler sagten.

Für Aufwind beim Franken haben auch die Äusserungen von Jean-Pierre Danthine, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationalbank (SNB), gesorgt. In der Schweiz seien Deflationsrisiken verschwunden und die Schweizer Exporte hätten sich trotz Frankenstärke robust gezeigt.

«Die Spekulanten sind immer noch short im Euro, aber die Positionen sind nicht mehr so extrem wie vor ein paar Wochen, wo viele ernsthaft diskutierten, dass der Euro 60 Prozent an Wert verlieren und die europäische Währungsunion auseinanderfallen werde», sagt David Kohl, Devisenexperte bei Julius Bär.

Gegenüber Dollar Tiefpunkt überwunden

Die Ergebnisse des G20-Gipfels in Toronto vom vergangenen Wochenende würden von den Devisenmärkten eher als beruhigendes Signal aufgenommen. «Auch wenn es kein Riesendurchbruch war, so profitiert die Stimmung davon, dass man die Staatsdefizite bis 2013 halbieren und die Schuldenquote bis 2016 stabilisieren will», so der Devisenprofi.

Gegenüber dem Dollar hat der Euro in den letzten Wochen wieder Terrain gut gemacht. Das sei aber eine Folge der erneuten Dollarschwäche. So hat die US-Währung nach schlechter als erwarteten Immobilien-, BIP- und Fed-Daten an Kraft verloren. Die akute Euro-Schwäche wurde damit gegenüber dem Dollar beendet.

Bei Franken Volatilität weiterhin hoch

Seit Anfang Jahr hatte der Euro gegenüber dem Dollar rund 20 Prozent eingebüsst und bei 1.1876 Dollar den bisherigen Tiefstand erreicht. Seither hat sich die Gemeinschaftswährung wieder bis auf 1.2368 Dollar erholt. «Ich rechne in den kommenden Wochen insgesamt mit einer tieferen Volatilität, wobei der Euro aber schon noch einmal unter 1.20 Dollar rutschen könnte», so Kohl.

Beim Franken-Euro-Kurs dagegen dürfte die Volatilität weiterhin hoch bleiben, «tendenziell mit Frankenstärke», so der Devisenprofi. Zwar sei der Euro relativ schnell auf 1.35 Franken runtergerutscht, doch befinde er sich damit in etwa auf dem richtigen Niveau. «Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte wohl erst unter 1.30 wieder intervenieren», so Kohl.

Eine Frankenschwäche sei erst dann wieder zu erwarten, wenn sich der Konjunkturzyklus in einer reiferen Phase befindet und der Franken für so genannte Carry Trades auch wieder als Verschuldungswährung genutzt würde.