Denn die Aktien, die weltweit die grössten Lieblinge der Strategen gewesen sind - etwa der amerikanische Spieleentwickler Activision Blizzard oder der Haushaltsgerätehersteller Midea Group Co. aus China - haben seit Jahresbeginn durchschnittlich elf Prozent abgegeben. Die Aktien, die bei Analysten ganz unten auf der Favoritenliste standen, haben dagegen nur 3,4 Prozent verloren, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Die populären Firmen seien Opfer ihres eigenen Erfolgs, da Investoren Gewinner verkauften, um Rücknahmeverpflichtungen zu erfüllen, heisst es bei BNP Paribas Investment Partners. In den USA hat die Auflösung von Momentum Trades dazu geführt, dass Lieblingsaktien von Hedgefonds dieses Jahr um 4,6 Prozentpunkte hinter dem Standard & Poor's 500 Index hinterherhinkten, nachdem sie ihn in allen der vorigen vier Jahre um zehn Punkte übertroffen hatten, erklärt Goldman Sachs.

Sich verschärfende Verluste bei Aktien, die zuvor Favoriten waren, tragen zum wachsenden Pessimismus bei, während die Investoren ihren ersten Bärenmarkt bei globalen Aktien seit mehr als vier Jahren erleben.

«Gute» Aktien zuerst verkauft

"Wenn Risiken reduziert werden wie in letzter Zeit, und gute Aktien zusammen mit den nicht so guten abgestossen werden, dann muss man zu seinen fundamentalen Analysten schon wirklich Vertrauen haben", sagt Julian Emanuel, Geschäftsführer US- Aktien- und Derivatestrategie bei UBS Securities in New York. "Diese Titel hätte man früher einmal 'günstig bewertete Wachstumswerte' genannt, aber jetzt ist die Frage, ob sie vielleicht nicht mehr günstig sind."

Der MSCI All-Country World Index hat jüngst wieder zugelegt und damit seinen Verlust seit Jahresbeginn verringert. Der Index ist im Februar erstmals seit 2011 in einen Bärenmarkt eingeschwenkt, weil Sorgen um den Konjunkturausblick Chinas und der Kollaps der Ölpreise eine Flucht aus Risikoanlagen auslösten. 

Verluste gab es weltweit; unter den Benchmark-Indizes der grössten Märkte gab es nur in Russland und Taiwan Verbesserungen. Vor diesem Hintergrund verkaufen Investoren gerade die Aktien zuerst, die Eigenschaften aufweisen, die eigentlich als Qualitätsmerkmale gelten, etwa eine Erfolgsbilanz bei der Gewinnsteigerung. 

"Dieses Jahr gibt es wahrscheinlich Rücknahmedruck auf Staatsfonds und Investmentfonds, daher spüren diese Fonds Verkaufsdruck", sagt Caroline Maurer, Leiterin Aktien Greater China bei BNP Paribas Investment Partners in Hongkong. "Diese Aktien haben sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Sie sind meist teurer."

Analysten brauchen Zeit

Die 50 am höchsten gerateten Unternehmen mit Marktwert über fünf Mrd. Dollar und mindestens fünf Analystenbewertungen bei Bloomberg werden im Durchschnitt mit dem 4,1-Fachen ihres Nettovermögens gehandelt. Energieerzeuger dominieren die Liste der Firmen mit den schlechtesten Analystenbewertungen, die durchschnittlich mit dem 2,2-fachen Buchwert bewertet werden, wie von Bloomberg zusammengestellte Daten zeigen.

Laut Mikio Kumada, Stratege bei LGT Capital Partners in Hongkong, brauchen Analysten Zeit zur Anpassung, wenn sich die Marktdynamik ändert. Er verweist auf März 2009, als die Analysten bearish waren, obwohl es rückblickend gesehen der ideale Zeitpunkt war, wieder in Aktien einzusteigen. "Wir befinden uns mindestens seit Anfang des Jahres nicht mehr in einem robusten Bullenmarkt", sagt Kumada. "Darum wird es dauern, bis sich die Konsensbewertung daran anpasst." 

Die Krux mit chinesischen Aktien

Zwar wird etwa ein Drittel der von den Analysten am stärksten favorisierten Aktien in Schanghai oder Shenzhen gehandelt, trotzdem setzen nicht nur chinesische Strategen auf das falsche Pferd. Wenn man die Aktien vom chinesischen Festland ausser Acht lässt, ist das Muster trotzdem dasselbe: Die Top- Aktien verloren im Durchschnitt 6,2 Prozent, verglichen mit nur minus 2,6 Prozent bei den am schwächsten bewerteten. 

Bei Hedgefonds sieht es so aus, dass die Rendite von Aktien, die sie eher meiden, den S&P 500 seit Jahresbeginn um 541 Basispunkte schlägt, während ihre Favoriten hinterherhinken, wie von eine Studie von Goldman Sachs vom 22. Februar zeigt. Das ist teils darauf zurückzuführen, dass die Manager selbst aussteigen und so wenig wie zuletzt 2012 auf Gewinne bei Aktien wetten, so Goldman. Zudem haben die Investoren im Januar netto 21,5 Mrd. Dollar aus Aktien abgezogen. Das trug laut eVestment dazu bei, dass das verwaltete Vermögen der Branche erstmals seit 2014 unter drei Billionen Dollar (2,76 Billionen Euro) zurückging. 

Favoriten der Hedgefonds

Amazon.com, laut Goldman eine der Aktien, die am häufigsten unter den Top-10-Werten der Hedgefonds auftauchen, hat seit Jahresbeginn 18 Prozent verloren, nach einer Kursverdopplung 2015. Tenet Healthcare, die einem anderen Ranking zufolge die Aktie mit dem höchsten Anteil an den Hedgefondsvermögen ist, verlor 15 Prozent. Beide Unternehmen haben einen Wert von mindestens vier auf einer Bloomberg-Skala, auf der fünf an Aktien vergeben wird, die Analysten ausschliesslich zum Kauf empfehlen. 

Midea, die von sämtlichen von Bloomberg beobachteten Analysten zum Kauf empfohlen wird, gab seit Jahresbeginn 18 Prozent nach. Das Unternehmen ist Chinas grösster Hersteller von Haushaltsgeräten und hatte 2015 laut Euromonitor International 17,1 Prozent Marktanteil. Activision Blizzard, die ebenfalls von Analysten Spitzenbewertungen hat, verlor dieses Jahr 18 Prozent. Der grösste amerikanische Videospieleentwickler meldete für das vierte Quartal Umsatz und Gewinn unter Analystenschätzungen, und trotzdem bestätigten 18 von ihnen danach ihre bullishen Empfehlungen. 

Populäre Indexfonds

Die wachsende Popularität von Fonds, die Indizes nachbilden, zieht Geld ab aus Aktien, die aktive Manager und Strategen normalerweise favorisieren, sagt Chisato Haganuma, Leitender Aktienstratege bei Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities in Tokio. Laut Morningstar hatten passiv gemanagte Aktienfonds und ETFs 2015 Zuflüsse von 414 Mrd. Dollar, die aktiv gemanagten dagegen verzeichneten Abflüsse von 207 Mrd. Dollar.

Bessere Gewinne in der Vergangenheit hatten dieses Jahr keine grosse Bedeutung: Der chinesische Pharmakonzern Yunnan Baiyao Group, der von allen von Bloomberg beobachteten Analysten mit "Kaufen" bewertet wird, hat 22 Prozent nachgegeben, obwohl er einen Rekordgewinn meldete. Doch irgendwann werden die Analystenfavoriten wieder in der Investorengunst steigen, sagt Alex Wong von Ample Capital. "Fonds setzen auf Firmen, die günstig erscheinen", erklärt er. "Doch letztendlich werden die Fundamentaldaten wieder für Wachstumswerte sprechen."

In den letzten beiden Jahren legten die beliebtesten Firmen durchschnittlich 42 Prozent zu; bei denen, die die Analysten nicht mochten, waren es nur 6,6 Prozent. Für Maurer von BNP Paribas ein Grund, die Aussenseiter zu favorisieren. "Man kann nicht ewig hinter dem herjagen, was sich am Markt bereits gut entwickelt hat", sagt sie. "Man muss auch mal andersherum denken." 

(Bloomberg)