Die Fremdwährungsreserven der SNB stiegen im Mai auf 232,4 Milliarden Franken von 153,6 Milliarden Franken im April. Das zeigen neue Zahlen des Bundesamtes für Statistik. Die SNB selber wird die Zahlen erst in ihrem monatlichen Bulletin am 21. Juni veröffentlichen.
In anderen Worten heisst das: Die Nationalbank hat im letzten Monat noch einmal massiv Euro und andere Währungen dazugekauft, um den Schweizer Franken nicht noch stärker werden zu lassen.
Die Devisenmärkte reagierten am Dienstagnachmittag umgehend: Der Franken wurde nochmals stärker und erreichte mit 1.3756 pro Euro ein neues Rekordhoch. Am Mittwochmorgen notierte er bei 1.3776 und stieg den neunten aufeinanderfolgenden Tag gegen den Euro. Noch am letzten Donnerstag stand das Währungspaar bei fast 1.42 Franken pro Euro.
«Die Schweizer Währungsreserven explodierten letzten Monat», zitiert Bloomberg Christian Lawrence, Devisenstratege bei der Royal Bank of Canada. «Es fragt sich, wie lange die SNB diese Strategie aufrecht erhalten kann.»
«Gegen den Strom zu schwimmen ist für alle schwierig»
Die Marktteilnehmer rechnen offenbar damit, dass die SNB – trotz ihrer permanent anders lautenden Ankündigungen – von ihrer Politik abrücken werde und den Franken mittels Devisenmarktinterventionen nicht mehr schwächen könne. Die SNB muss, um den Anstieg der Landeswährung zu dämpfen, Franken drucken und somit die Geldmenge ausweiten, was mit Risiken behaftet ist.
Das Inflationsrisiko für die Schweiz, das wegen der Geldmengenausweitung der SNB entsteht, bezeichnete seco-Direktor Jean-Daniel Gerber am letzten Freitag gegenüber cash aber «gegenwärtig als gering bis sehr gering». Gerber hofft, dass die Nationalbank ihr Versprechen halten und eine übermässige Aufwertung des Franken vermieden werden könne.
Doch genau daran haben immer mehr Investoren Zweifel. Financier Tito Tettamanti sagte im cash-Interview letzten Donnerstag: «Ich frage mich, wie lange der Kurs des Franken gegenüber dem Euro verteidigt werden kann. SNB-Präsident Philipp Hildebrand ist zwar ein ehemaliger Meister im Schwimmen, aber gegen den Strom zu schwimmen ist für alle schwierig.»
Zwei Drittel der SNB-Devisenreserven sind Euro
Die SNB begann ihre umfangreichen Interventionen am Devisenmarkt im März 2009. Damals verteidigte die SNB einen Euro-Franken-Kurs von 1.50.
«Die Währungsreserven waren vor der Krise eher unterdotiert angesichts unseres bedeutenden Finanzplatzes», sagte SNB-Direktoriumspräsident Philipp Hildebrand vor vier Wochen in einem Interview. «Wir gehen davon aus, dass wir auch längerfristig höhere Währungsreserven halten werden als vor der Krise. Wie gross der Aufbau sein wird, werden die Bedürfnisse der Geldpolitik definieren».
Etwa zwei Drittel der SNB-Devisenreserven sind Euro. Im ersten Quartal war der SNB durch den sinkenden Euro-Kurs ein Buchverlust von 2,911 Milliarden Franken entstanden. Trotz der Verluste erzielte die SNB einen Quartalsgewinn. Dies wegen des Anstiegs des Goldpreises und wegen Gewinnen beim UBS-Stabilisierungsfonds.
