Fitch führt Irland als erste Agentur nicht mehr in der höchsten Bewertungsgruppe A auf. Die Agentur stufte den Inselstaat um drei Noten auf «BBB+» herunter und begründete dies mit den zusätzlichen Kosten für die Restrukturierung des angeschlagenen Bankensystems und schlechteren wirtschaftlichen Aussichten. Erst Anfang Oktober hatte Fitch die Kreditwürdigkeit des Inselstaates gesenkt. Anders als damals stellte die Agentur diesmal aber keine weitere Herabstufung in Aussicht: Der Ausblick sei stabil.
Vor allem wegen der ausufernden Kosten für den Bankensektor war Irland nach langem Zögern jüngst unter den Rettungsschirm der Europäischen Union geschlüpft, um eine weitere Abwärtsspirale in der Schuldenkrise zu vermeiden. Die Republik erhält Hilfen der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) von 85 Milliarden Euro.
Sparhaushalt hat erste Hürde genommen
Irland selbst steuert davon 17,5 Milliarden Euro bei und will mit einem Sparpaket binnen vier Jahren seinen Haushalt um rund 15 Milliarden Euro entlasten, um den hohen Schuldenberg abzutragen. Der Sparhaushalt 2011 der Regierung hatte am Dienstag die erste Hürde im Parlament genommen. Insgesamt sind mehrere Abstimmungsrunden angesetzt.
Trotz des eingeschlagenen Konsolidierungskurses, der externen Hilfen und «immer noch starker wirtschaftlicher Fundamentaldaten» betonte Fitch: «Das Ausmass und das Tempo der Verschlechterung der öffentlichen Finanzen, andauernde fiskalische und makroökonomische Risiken im Bankensektor zusammen mit dem höchst unsicheren Wirtschaftsausblick und dem Verlust des Markt-Zugangs bedeutet, dass Irlands staatliches Kreditprofil nicht länger übereinstimmt mit einem hohen Investment-Rating.»
Zudem sei das strukturelle Haushaltsdefizit das grösste in der Euro-Zone. Sollte sich die Finanzkrise verschärfen, könnte dies - zusammen mit dem Sparkurs - die wirtschaftliche Erholung abwürgen, erklärte Fitch.
Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt derweil trotz Zeichen einer Stabilisierung angespannt: Die Arbeitslosenquote im dritten Quartal kletterte auf 13,6 von 13,2 Prozent im Frühjahr. Die Quote für Langzeitarbeitslosigkeit stieg auf 6,5 Prozent und erreichte den höchsten Stand seit 1996.
(Reuters)
