Der Euro ist wieder deutlich unter Druck geraten. Gegenüber sämtlichen grösseren Währungen notiert er auf oder nahe beim Allzeit-Tief. Auch gegenüber dem Franken hat sich die Gemeinschaftswährung spürbar abgeschwächt. Der Wechselkurs fiel innerhalb einer Woche um gut 1 Rappen auf 1,21 Franken. Derart nah befand sich der Währungs-Cross seit der Einführung der Wechselkurs-Untergrenze von 1,20 Franken am 6. September 2011 nicht mehr. 

Am vergangenen Montag 1,2108, am Donnerstag 1,2088 und am Freitagabend noch 1,2062 Franken nach der Rating-Herabstufung von Frankreich: Dreimal wertete sich der Franken in der letzten Woche gegen den Euro in Wellen auf. Seit Donnerstag ist zu beobachten, dass der Kurs immer wieder mit scharfen Bewegungen unter 1,21 Franken gedrückt wird, um wenig später wieder darüber zu schnellen. Das könnte von der Dynamik her auf ein erstes Kräftemessen zwischen Spekulanten und SNB hindeuten. 

Devisenprofis gehen davon aus, dass die Positionen nun bezogen werden. Ein Devisenhändler einer Grossbank sagte gegenüber cash, dass seit dem Rücktritt von SNB-Präsident Philipp Hildebrand verstärkt Frankenkäufe zu beobachten waren. "Wir spüren eine Verunsicherung im Markt, weil derzeit eine klare verbale Kommunikation vom Interimspräsidenten Thomas Jordan zur Verteidigung der Kursuntergrenze aussteht", so der Händler weiter.

Klarere Worte findet Giuseppe Manieri von Premium Currency Advisors in Zürich: "Ich erwarte in Kürze einen Test der Untergrenze."  Der Markt habe die Ankündigung, dass der neue SNB-Präsident erst in ein paar Monaten bestimmt werden soll, negativ aufgenommen. "Das wird gewissermassen als 'Free Lunch' gewertet", sagte Manieri gegenüber cash. 

Ein Fall unter die Untergrenze hätte massive Auswirkungen. Nach der Einführung des Mindestkurses sind  verschiedene Marktteilnehmer grössere Over-the-Counter-Derivate eingegangen und vertrauten, dass die Untergrenze mit allen Mitteln verteidigt wird. Sollte 1,20 Franken fallen, würden diese Derivate grössere Hedging-Geschäfte mit entsprechend hohen Kosten nach sich ziehen.