Bisher waren es vor allem private Kioskbetreiber, Lottogeschäfte oder Videotheken hinter der deutschen Grenze, die gegen ein kleineres Entgelt Paketsendungen von Schweizern entgegennahmen und bis zur Abholung aufbewahrten.
Doch angesichts des voranschreitenden Online-Shoppings wollen findige Unternehmer das Geschäft mit Lieferadressen in Deutschland auf die nächste Ebene hieven. Sie haben erkannt, dass der grenzüberschreitende Einkauf für die Schweizer ab einem Warenwert von über 100 Franken mit hohen Kosten verbunden ist.
In manchen Fällen übersteigen die Gebühren für Verzollung und Transport sogar den Warenwert, wird lauthals in diversen Internetforen protestiert. Darum setzen die Anbieter auch beim Portemonnaie an. Als «Billigster Paketversand von und nach der Schweiz» wirbt etwa der Anbieter Paketdiscount.de.
Dienstleister positionieren sich
Bereits Position bezogen jenseits der deutschen Grenze haben beispielsweise auch Euroretour und Pickpoint. Diese Unternehmen bieten Lieferadressen in Konstanz, Waldshut, Laufenburg oder Weil am Rhein an. Aber auch an verschiedenen anderen Orten in Deutschland gibt es Abholstellen.
«Immer mehr Schweizer Kunden nutzen die Zwischenlagerung bei uns», sagt Daniel Leuenberger. Der Geschäftsführer von Euroretour erhält derzeit mehr als 100 Pakete pro Woche. Angesichts der täglichen Anrufe und E-Mails von Schweizer Online-Shoppern rechnet er mit einer weiteren Zunahme in den nächsten Monaten.
Ebenfalls eine ansteigende Kundenzahl erwartet Pickpoint. Auch nach dem florierenden Weihnachtsgeschäft treffen monatlich 2000 bis 3000 Pakete ein, die für die Schweiz bestimmt sind. «Und das noch ohne aktive Bewerbung unseres Geschäfts», sagt Marcel Kunkel, Vorstand von Pickpoint.
Sparpotenzial kann sich sehen lassen
Die Gebühren für die Aufbewahrung bis zur Abholung durch die Schweizer Kundschaft liegen umgerechnet unter 15 Franken; bei unhandlichen Paketen können es 29 bis 37 Franken sein. Sparpotenzial bietet auch die deutsche Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die für alle Waren ausser Lebensmittel erhoben wird.
Die Anbieter halten die entsprechenden grünen Ausfuhrscheine bereit, um sich die Mehrwertsteuer beim Grenzübergang zurückerstatten zu lassen. Mit dem Stempel der deutschen Zollbehörden versehen, müssen die Formulare nur noch an den entsprechenden Web-Händler zurückgesendet werden. Die Schweizer Mehrwertsteuer wird laut Leuenberger erst ab 300 Franken pro Person fällig, wenn die Waren eigenhändig über die Grenze gebracht werden.
Unternehmer: «Bis zu 70 Franken sparen»
«Unsere Kunden können pro Paket zwischen 50 und 70 Franken sparen», sagt Leuenberger von Euroretour. Wie Branchenkollege Kunkel, bereitet er sich auf einen weiteren Zulauf von Kunden vor. So plant Leuenberger die nächsten Depot-Filialen in Bad Säckingen, Friedrichshafen und Singen.
Nun will der Bundesrat etwas gegen die teuren Ausland-Päckli unternehmen. Demnach soll auf Pakete mit bis zu 132 Franken Wert keine Mehrwertsteuer mehr erhoben werden. Ohne diese zieht die Post auch keine Verzollungsgebühren ein. Allerdings muss über die Vorlage noch das Parlament entscheiden. Das alles bereitet den findigen Unternehmern aber keine Sorgen.
«Die Schweiz müsste die Kosten schon massiv senken respektive die Mehrwertsteuer-Freigrenze stärker erhöhen», sagt Leuenberger. Seine Zuversicht begründet er auch damit, dass «viele deutsche Händler gar nicht mehr in die Schweiz liefern».
Das gelte auch für die privaten Anbieter auf Auktionsplattformen wie etwa Ebay. Zudem glaubt er nicht, dass Zusteller wie DHL, UPS und Co. die Gebühren nach unten anpassen. Eher würden diese ihre Versandgebühren in die Schweiz noch erhöhen, sagt Leuenberger.